FILMARCHIV
 
UNERHÖRT! Musikfilmfestival 2009 – TEIL I

 

"ONE ROOM MAN" - KEVIN COYNE

Boris Tomschiczek
Kevin Coyne, einer der ganz großen britischen Rock-Mavericks, irrlichternd zwischen Blues und Avantgarde, allein in einem engen Raum: dick, alt, mit kehlig-rauher Stimme wie zu sich selbst sprechend, dann plötzlich ein Griff zu Mundharmonika, eine erstaunlich behende Folge von Tönen, dann wieder Abbruch - düstere Schwarzweiß-Bilder porträtieren eher einen Grübler denn einen Musiker, es ist als säße man nicht nur neben Coyne, sondern auch in ihm, in seinem Kopf, oder besser: in seiner dunklen Seele. Sehr eindringlich.
 
 

12 DEFA-DISCO FILME

diverse Regisseure I DDR I 1975-1985
Das DEFA-Studio für Dokumentarfilme produzierte in den 70er und 80er Jahren ein besonderes Genre, die sog. Disco-Filme. Als Musikclips, Kunstfilm-Miniaturen oder Kurz-Dokumentationen waren sie nicht nur für das Kinovorprogramm bestimmt, sie wurden auch direkt in der Diskothek gezeigt. Heute vermitteln sie ein authentisches Bild von den ästhetischen Vorstellungen des Pops in der DDR und einer sich auch im Sozialismus ankündigenden Musikvideokultur - ein Kessel Buntes mit Manfred Krug, der Sterncombo Meißen, Silly uvm. - und sogar mit den Wessis von Floh de Cologne!
 
 

3 ROOOSEN SINGT EIN BILD

3 Rooosen I D I 2009
Der einzige Bildersänger der Welt besingt eine Apokalyptische Blumenwiese auf die Leinwand. Sehr intensiv und klimaktisch.
 
 

ACHTUNG! WIR KOMMEN.

Karl G. Hardt I D I 2008
Blind Passengers, die Skeptiker, Sandow und die Amiga-Punks von Feeling B: 20 Jahre Popgeschichte unter den speziellen Bedingungen der Wiedervereinigung zeigen aus einer speziellen Ost-Perspektive, wie Freiheitssehnsucht und Gestaltungsdrang die unerwartete "Eskalation der Möglichkeiten" verarbeitet haben. Egal, ob Erfolge - Mitglieder von Feeling B gründeten bekanntlich Rammstein - oder Enttäuschungen dokumentiert werden. Die Beteiligten nehmen kein Blatt vor den Mund in diesen verwirrenden Zeiten.
 
 

ATTWENGER ADVENTURE

Markus Kaiser-Mühlecker I A I 2007
Einzige Musik-Doku-Sequel der Welt! Über das einzige Schlagzeug-Ziehharmonika-Mundart-Rap-Duo der Welt! 12 Jahre nach Murnbergers Attwengerfilm sehen wir, wie es weitergegangen ist. Mehr Hintergrundinformationen, neue Horizonte, immer noch einzigartig!
 
 

BALKAN BLUES

Cornelia Strasser I CH I 2008
Musik einer Gesellschaft voller Widersprüche - Mazedonien ist ein kleines Land mit nur 2 Mio. Einwohnern; ethnische, religiöse und politische Divergenzen sind enorm - in einem Film zwischen pragmatischer Politik und grenzüberschreitender Kunst.
 
 

BARTÓKS REQUIEM - SIEBENBÜRGEN UND DER KLANG DER MODERNE

Jan N. Lorenzen I D I 2008
Volksmusikforschung heute und gestern: Béla Bartók (1881-1945), der weit über die Grenzen der Klassik hinaus einflussreiche Musikethnologe und Komponist der Moderne, war systematisch u.a. durch Ungarn und Rumänien gereist, um Volkslieder zu sammeln, ihre raue Rhythmik und pentatonischen Melodien zu studieren und zu einem sehr eigenen Werk zu verarbeiten. Der Film folgt Bartóks Spuren und dokumentiert dabei den aktuellen Zustand der uralten Musikkultur Siebenbürgens.
 
 

BJÖRN CASTILLANO, MUSIKER

Jürgen Hille I D I 2009
Castillano, Oberhausener philippinischer Abstammung, bekommt mit 11 seinen ersten Synthesizer geschenkt. Seitdem macht er mit Gleichgesinnten populäre Musik für junge Leute. Er hat aber auch ein Nebenprojekt namens Fokus. Dafür feilt er an Klangarchitekturen, solo im Proberaum eines Mühlheimer Bunkers. Oder er pirscht auf der Straße mit dem mobilen Aufnahmestudio seines Laptops konkreten Tönen nach. In nüchterner Schwarzweiß-Ästhetik folgt der Film der Entstehung eines Tracks in einer Nacht. Es wird kein Wort gesprochen.
 
 

BLACK EYES / ZWARTE OGEN

Jan Bondriesz I NL I 2008
Was hat ein ukrainischer Sänger der 30er Jahre mit uns zu tun? Der Film verknüpft Familien- und Zeitgeschichte mit einer Art prä-popkultureller Schnitzeljagd zur Biographie von Tangolegende und Lebemann Pjotr Leschenko. Unterstützt von sorgfältig ausgewähltem Archivmaterial zeigen sowohl die Nachforschungen über in deutschen KZs umgekommene holländische Privatpersonen als auch der Lebens- und Karriereweg der öffentlichen Figur Leschenko, wie die großen Bewegungen einer Zeit die Existenz aller Menschen bestimmen.
 
 

DAS LETZTE BIEST AM HIMMEL - BLIXA BARGELD

Birgit Herdlitschke I D I 2008
Der Film kommt der Persönlichkeit Blixa Bargelds, als Frontmann der Einstürzenden Neubauten eine der schillerndsten Figuren des deutschen Post-Punks, ungewöhnlich nah, ohne je voyeuristisch zu werden. Der selbsternannte Dandy bleibt bei aller Offenheit gewohnt streng, selbst wenn auf dem elterlichen Sofa Mutter und Sohn beieinander sitzen. Darüber hinaus unternimmt das Porträt Ausflüge zu wichtigen Schauplätzen Bargeld’scher Kreativität in Westberlin und anderswo. Auch prominente Wegbegleiter kommen zu Wort.
 
 

TEIL II >>

<< TEIL IX

zur Archivübersicht