FILMARCHIV
 
UNERHÖRT! Musikfilmfestival 2010

 

ATELIER THEREMIN: PSYCHEDELIC CINEMA - MUSIK ZU KURZFILMEN AUS DEM GUTEN ALTEN UNDERGROUND

Das Berliner Neo-Kraut-Projekt atelierTheremin setzt, eingeladen von UNERHÖRT!, seine erfolgreiche Veranstaltungsreihe "Psychedelic Cinema" fort. Nach mehreren "Nachvertonungen" filmischer Bizarrerien improvisiert die dreiköpfige Formation mit ihren teils selbst gebauten Instrumenten (analoge Synthesizer, Theremine usw.) heuer mal wieder zu Kurzfilmen bzw. Ausschnitten aus dem cineastischen Underground. Diesmal in der Auswahl: TOWERS OPEN FIRE von William Burroughs und Antony Balch (UK/USA 1963) und Sequenzen aus BRAIN DAMAGE von Ira Cohen (USA 1968/2006). Immer wieder spannend: Musik verleiht Augen!
 
 

BANDS ON BOATS

Gabriele Kahnert I D I 2010
Eigenwilliges Porträt einer lebendigen Musik-Szene jenseits von Plattenverträgen und großen Hallen: Der ausschließlich auf Super8 (Farbe, schwarz-weiß, verschiedenste Lichtempfindlichkeiten) gedrehte und teils selbst entwickelte, auf 90 Minuten auszubauende Film flickert sich mit Live-Aufnahmen von musikalischen Dampferfahrten (im Rahmen der jährlichen Kunstaktion "48 Stunden Neukölln") und von Heimbesuchen der beteiligten Gruppenmitglieder, sowie mit Interviewschnipseln und nicht zuletzt mit guter Mucke flüssig ins Gemüt.
 
 

BEYOND IPANEMA - BRAZILIAN WAVES IN GLOBAL MUSIC

Guto Barra, Béco Dranoff I BRA I 2009
50 Jahre nach ihrer Entstehung inspirieren nicht nur Bossa Nova und Samba immer noch unsere aktuelle Pop-Musik. „Beyond Ipanema” erkundet den internationalen, an der Ostküste der USA in den 1960ern gepushten Siegeszug brasilianischer Musik insgesamt - eine Reise von Jazz und Tropicália über Psychedelic und Rock zu HipHop, Drum´n´Bass und Baile Funk. Neben lokalen Stars wie Caetano Velose, "dem brasilianischen Bob Dylan", Gilberto Gil, dem genialischen Tom Zé und Bebel Gilberto, die mit ihrem Album „Tanto Tempo“ zur Stimme des neuen brasilianischen Sounds wurde, kommen auch internationale Größen der Pop-Gegenwart (Thievery Corporation, M.I.A. und einige mehr) zu Wort, so auch David Byrne, der viele der hier präsentierten Künstler in seinem Weltmusiklabel-Stall LUAKA BOB zu laufen hat.
 
 

FRANZ FERDINAND - ROCK IT TO RIO

Don Letts I UK I 2008
Für Musiker ist es ein feuchter Traum, einmal in Südamerika und speziell in Brasilien auf Tour zu sein: so eine Hysterie rund um die Auftritte, die in der Regel in gigantischen Stadien stattfinden, gibt es wohl nirgends auf der Welt. Während ehemalige Rampensäue wie die RAMONES auf der Bühne gut damit klar kamen, eine gefüllte Fußball-Arena zu pogen - von den in Südamerika kultisch verehrten Metal-Bands ganz zu schweigen -, besteht der Reiz bei der Teilkontinent-Tour von FRANZ FERDINAND (als Opener für U2) in der gepflegten europäischen Distanz zum Irrsinn um sie herum. Von einem Clash der Musikkulturen zu sprechen, wäre vielleicht etwas übertrieben, aber in jedem Fall ist Regisseur Don Letts (regelmäßiger Filmelieferant für UNERHÖRT! und 2010 noch mit einem zweiten Film vertreten; s. STRUMMERVILLE) der ideale Chronist, um Brüche und Irritationen aufzuspüren und zum Vorschein kommen zu lassen.
 
 

NIGHTMUSIC - VON BERUF DJ

Manfred Wilhelms I D I 1997/2003
Manfred Wilhelms arbeitet seit Mitte der 1990er an dem, was er selbst seinen "Berlin-Zyklus in sieben Kinofilmen" nennt. Als Gesamtwerk wurde der Zyklus noch nie gezeigt, denn Wilhelms konnte ihn aus Geldmangel bisher nicht fertigstellen. NIGHTMUSIC als Teil des Zyklus ist entsprechend selten zu sehen gewesen. Wilhelms beschreibt NIGHTMUSIC wie folgt: "1997 ist die Zeit, als die Jugendkultur sich in der Musik des Techno, auf der LOVE-Parade und in immer neuen Clubs auf dem Dancefloor manifestierte. Der DJ wurde zum Hexenmeister an den Plattentellern. Der Film zeigt Berlin als eine Metropole der Club-Musik und dass die Musik auf dem ‚Dancefloor’ mit dem Rhythmus der nächtlichen Stadt zu tun hat. In der nächtlichen Stadt zeigt ein Berliner DJ im weltberühmten Club ‚TRESOR‘, wie zwei Plattenspieler unter seinen Händen zu einem Instrument der Musikdarbietung werden und wie er damit das Publikum auf dem Dancefloor musikalisch beeinflussen kann. Der Film zeigt den Berliner DJ Mitja Prinz, der seinen Traum von Musik zum Traumberuf gemacht hat."
 
 

PASSIONS JUST LIKE MINE

Kerri Koch I USA I 2008
Wie kann ein 18jähriger mexikanischer Immigrant bessessen sein von einem britischen Sänger Anfang 50, den er noch nie gesehen hat? Der Film porträtiert die Morrissey-Fangemeinschaft in der lateinamerikanischen Community von Los Angeles, ihre Leidenschaft für seine Stimme, seine Texte, seine Musik. Die Kamera folgt ihnen zu THE SMITHS-Tribute-Konzerten, zu Morrissey-Fans-Conventions und nach Hause – und zeigt, wie der Sänger ihr Leben verändert hat, trotz scheinbar unüberbrückbarer kultureller Differenzen.
 
 

PETER HERBOLZHEIMER - EIN PORTRÄT ZUM 70. GEBURTSTAG

Elmar Sommer, Ali Haurand I D I 2009
Die WDR-Jazzline-Dokumentation ist die erste ausführliche filmische Aufarbeitung von Leben und Werk des Peter Herbolzheimer. Das Porträt des im März 2010 verstorbenen rumäniendeutschen Jazzmusikers zeigt, wie offen, tolerant und arbeitswütig er die Grenzen zwischen so unterschiedlichen Musikstilen wie Jazz, Swing, Latin und Rock aufgelöst und zu einem eigenständigen Bigband-Stil entwickelt hat. Er gehörte zu den herausragenden europäischen Arrangeuren und seine Rhythm Combination & Brass ist eines der langlebigsten Großensembles des europäischen Jazz. Die Dokumentation begleitete den fast 70jährigen bei seiner Arbeit, vom Arrangieren zuhause bis hin zum Reisen mit dem Bundesjugendjazzorchester. Sie belegt mit vielen historischen TV-Aufnahmen sein Wirken und Schaffen, u.a. für die Olympischen Spiele 1972 in München, Bio´s Bahnhof, Harlem Story uvm. Viele Zeitzeugen und Weggefährten kommen zu Wort, neben Alfred Biolek u.a. Ack van Rooyen, Manfred Schoof, Udo Lindenberg und Till Brönner.
 
 

RUSH: BEYOND THE LIGHTED STAGE

Sam Dunn, Scot McFadyen I CAN I 2010
RUSH ist ein Trio, das 40 Jahre Rock-Entwicklung personifiziert: vom erdigen Beat über Opulenzrock und 80er-Jahre-Synthie-Sound bis zur Neu-Definition anspruchsvoller elektrischer Gitarrenmusik. Dass RUSH einem trotz internationaler Fangemeinde und beachtlicher Erfolge - nur die Beatles und die Stones haben mehr direkt aufeinander folgende Goldene oder Platin-Schallplatten produziert - nicht sofort in den Sinn kommen, wenn es um eine Liste besonders einflussreicher Bands geht, mag auch mit ihrer Herkunft aus der Pop-Provinz Kanada zusammenhängen.
 
 

STRUMMERVILLE

Don Letts I UK I 2010
Als Joe Strummer 2002 plötzlich und unerwartet verstarb, war das für die Musikwelt ein Schock. Mag auch sein musikalischer Einfluss in den letzten Jahren geringer geworden sein, mit dem ewigen Vermächtnis von THE CLASH und seiner bodenständigen Do It Yourself-Lebenseinstellung ist Strummer ein Vorbild auch für spätere Musikergenerationen geworden. Die Unterstützung junger Bands und das Schaffen einer eigenen Community war Strummer schon zu Lebzeiten wichtig und so wurde nach seinem Tod die Stiftung "Foundation Strummerville" gegründet, um diese Arbeit in seinem Sinne fortsetzen zu können.
 
 

SUNNY’S TIME NOW

Antoine Prum I LUX I 2008
Der Film erzählt die Geschichte des amerikanischen Jazzschlagzeugers und Komponisten Sunny Murray, in den 1960er und 70er Jahren einer der einflussreichsten Free Jazz Musiker weltweit. Wir sehen schwarzweißes Archivmaterial von 1967 - u.a. mit Albert Ayler, Don Cherry, Leroi Jones aka Amiri Baraka -, behutsam gefilmte Ausschnitte von Auftritten und Sessions in der Gegenwart - schön, dass im höheren Alter weiter musikalische Grenzen ausgelotet werden; leicht deprimierend, dass Alltagskämpfe dazu immer wieder und immer noch das Geleit geben müssen, z.B. wenn es um die Bezahlung von Gigs geht - und Interviews. Eine ganze Reihe von Vertretern, Anhängern und Förderern der New Thing-Szene und auch ein Musikweiser wie Robert Wyatt melden sich mit klugen Einschätzungen zu Wort.
 
 

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