Warum dieses Festival?


Music and Films for both sides of the brain.

Unser Mission-Statement: WELTZUGANG. Musik ist menschheitsgeschichtlich sehr früh ein Thema, entstanden wahrscheinlich noch vor der Sprache. Musik hat etwas Archaisches, geradezu Mysteriöses: Wir gehen mit unserem Festival auch einigen ganz basalen Fragen nach, zB warum Menschen überhaupt Musik machen? Welchen Zweck erfüllt Musik? Die Filme in unseren Programmen beteiligen sich, jeder auf seine ganz besondere Weise, an diesem universellen „Rätselraten“. Film ist demgegenüber ein sehr junges Ausdrucksmedium. Doch viel früher, als die meisten vermutlich wissen, nämlich bereits in den Anfängen der Filmgeschichte, ist auch hier schon Musik involviert. Das mag zu tun haben mit einer sehr grundlegenden Gemeinsamkeit: Sowohl Musik als auch Film sind zeitbasierte Medien. Wer Musik hört bzw. einen Film im Kino sieht, unterwirft sich einer vorgegebenen Organisation von Zeit. Etwas spult sich ab, linear von einem Anfang bis zu seinem Ende, ohne dass Zuhörer und Zuschauer auf diesen Ablauf Einfluss nehmen können. Andererseits ist Film letztlich nur eine neue Form der Beschäftigung mit einem vermutlich ebenso alten Medium, wie die Musik es ist, nämlich dem Bild. Ebenso rätselhaft in seiner Wirkung: Was machen die Bilder mit uns? So ganz genau weiß das ja bis heute keiner. Gleichzeitig haftet Film etwas Analytisches an; in der Regel halten wir das, was uns Filmbilder präsentieren, für real: Wir können es sehen, also existiert es. Allem, was die Menschen so machen, ist eingeschrieben, unter welchen Bedingungen diese Dinge entstehen konnten. Deshalb kann man auch dann etwas über den Zustand unseres Planeten erfahren, wenn man sich mit Briefmarken beschäftigt, mit Kaninchenzucht, Nanotechnik, Fußball oder mit zeitgenössischer Bildhauerei. Musik wird schon so lange und auf so vielfältige Weise gemacht, und so viele Leute nehmen Anteil an Musik, dass die Darstellung von einzelnen Musikstilen oder Musiker-Biographien oder Formen des Musikkonsums in unterschiedlichen Subkulturen enorm viel miterzählt über die Welt, in der und für die die Musik hergestellt wurde. Wir stellen uns auch gerne immer wieder vor, dass dies der Grund für eine wachsende Beliebtheit von Spiel- und Dokumentarfilmen rund um das Thema Musik ist. Dass diese Themen wieder höher im Kurs stehen, wäre jedenfalls unsere Wahrnehmung, nachdem es jahrelang hieß, Musik befände sich im freien Fall und Filme zum Thema im Fernsehen oder Kino wären Quoten- bzw. Kassengift. Wir haben vor 10 Jahren ein kleines Festival ins Leben rufen, das nicht primär Profitgenerator sein will, sondern das sich als Schaufenster für Filme und als Partner und Fürsprecher der Künstler sieht. So wichtig wie die Hinwendung zum Publikum ist, so essentiell ist uns auch immer die Interaktion mit den Filmemachern, die oft mit geringen Mitteln ihre Herzensthemen verfilmen. Festivals werden immer wieder mit Museen verglichen und gerne in Abgrenzung zum Kommerz des sonstigen Kinobetriebs gestellt. Dies ist uns nicht so wichtig. Wir wollen die Filme nicht nur „ausstellen“, wir wollen sie auch kommentieren und bestärken und so ein Glied in der Vermittlungskette werden. UNERHÖRT! sollte auch immer ein Bildersturm und eine Erfahrungswelt sein, die einen kulturellen (und politischen) Auftrag erfüllen kann. Der „Suchkopfraketen-Auftrag des Festivals“ (J.-P. Rehm, FIDMARSEILLE), den wir auch für uns proklamieren, verengt unsere Perspektive nicht auf die bloße Aneinanderreihung von Filmen. Wir versuchen immer ein Gesamtkonzept zu erarbeiten und dabei möglichst viele Aspekte der der Film- und Musikwirtschaft zu integrieren. Und mit dem Reeperbahn Festival haben wir seit letztem Jahr einen Partner an unserer Seite, mit dem wir diesen Anspruch nun noch besser umsetzen können. Für UNERHÖRT! bedeutet das: Es ist absolut JEDE Art von Musik willkommen! Diese programmatische Offenheit ist DAS Fundament von UNERHÖRT! "Es wird immer weitergehen: Musik als Träger von Ideen." (Music Non Stop, Kraftwerk) "Wir kennen das Leben. Wir sind im Kino gewesen." („Grauschleier“, Fehlfarben)