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Okt
6 Kom.
Interview mit Stefan Pethke, Programmkoordinator von UNERHÖRT! - Teil 3
- Die 3. Ausgabe des UNERHÖRT! Musikfilmfestivals Dezember 2009image

Stefan, jetzt kommen wir zu einem Thema, auf das die UNERHÖRT! Freunde und Fans schon sehnsüchtig warten: Infos zum Festival 2009. Wie viele Filme werden voraussichtlich gezeigt werden?



Wir sind momentan in der Finalisierungsphase. Vorgenommen haben wir uns insgesamt um die 45 Slots - auch an uns ist der Fachjargon der TV-Programmlogistiker nicht spurlos vorbeigegangen. Gemeint ist: Wir peilen ca. 45 Vorführungen an 4 Spielstätten an. Da wir auch kürzere Filme in das Programm nehmen werden, lässt sich zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine verbindliche Aussage über die genaue Anzahl von Filmen machen. Geschätzt werden es ungefähr 50 bis 60 sein.

Die Frist für Filmeinreichungen endete am 31. Juli. Wie war die Resonanz? Wie viele Filme wurden eingereicht?



Unsere vollcomputerisierte Statistik-Abteilung ist noch im Aufbau begriffen... Im Ernst: Wir können ausgehen von ungefähr 350 Filmen, Format-übergreifend. Sehr gefreut haben wir uns über den hohen Anteil an Einreichungen von Filmschulen, die wir dieses Jahr besonders gezielt angesprochen hatten.

Gab es bei den Einreichungen Überraschungen, Trends....?



Ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu esoterisch, aber mir fiel in der Tat etwas auf: Es wurde dieses Jahr in einer erstaunlichen, deutlich jenseits der Grenze des Zufälligen liegenden Anzahl von Filmen davon gesprochen, dass Musik weniger komponiert und ausgedacht wird als vielmehr irgendwie empfangen. Channeling. Musiker als Medien für das Medium Musik. Eine schöne Demutsgeste, die, wenn man sich denn als Trenddeuter versuchen möchte, heißen könnte, dass sich das Star-System derzeit in einer Phase der Post-Überhitzung befindet, einer gewissen Ausgelaugtheit.

Ansonsten ist ein allgemeiner Trend sicherlich der, dass viele kleine Filme entstehen als Ausdruck einer Fan-Kultur. Demgegenüber kommen die budgetmäßig üppiger ausgestatteten großen Filme immer noch aus der Nähe der sog. Musikindustrie bzw. sie entstehen mit deren tatkräftiger Unterstützung.

Die Klassische Musik in all ihren Schattierungen besitzt kulturpolitisch nach wie vor eine starke Lobby. Das wirkt sich auch dahingehend aus, dass auf diesem Feld laufend interessante und auch sehr gut gemachte Filme entstehen.

Jetzt wird es spannend: Welche Programmschwerpunkte sind für das Festival 2009 vorgesehen?




Thematisch widmet sich UNERHÖRT! dieses Jahr unter anderem dem unumgänglichen Mauerfall, in erster Linie durch Filme aus der DDR; durch Filme also, die von etwas berichten, das vergangen ist und vor dem Vergessen bewahrt werden sollte: Musik zu den Bedingungen des real existierenden Sozialismus. Im weiteren Sinne gehören dazu Filme, die aus dem ost-europäischen, speziell aus dem Balkan-Raum kommen.

Auch werden wir wieder einige Filme zu diversen musikalischen Aktivitäten auf dem afrikanischen Kontinent im Programm haben. Wir könnten auch sagen: Die WM 2010 in Südafrika lässt grüßen!

Ein weiterer Schwerpunkt - Schwerpunkt heißt: drei bis vier Filme zum Thema - liegt bei den LGBT-Themen (das haben wir letztes Jahr gelernt: LGBT steht für Lesbian Gay Bisexual Transgender).

Außerdem war es unser erklärter Wille von Anfang an, auch Nicht-Dokumentarisches, d.h. Spielfilme mit Musikthematik stärker ins Programm aufzunehmen. Dem wollen wir dieses Jahr konsequenter nachgehen.

Wie ist der Stand der Programmplanung jetzt Ende August?



Wir haben ca. 30% der Filme bereits fest vereinbart, weitere 30% sind in Verhandlung, ein Drittel ist noch offen. Bis voraussichtlich Ende September werden wir unser Programm festgeklopft haben. Es wird auf jeden Fall wieder ein außerordentlich spannendes, abwechselungsreiches Programm!

Was liegt Dir für das Festival 2009 am meisten am Herzen?



Wir wissen: Es gibt unglaublich viele interessante Filme über Musik - in diesem Sinne haben wir uns nie ernsthafte Sorgen um die Qualität unseres Programms gemacht! Schön wäre es, wenn auch 2009 wieder richtig viele Film- und Musikbegeisterte kommen und sich davon überzeugen lassen würden.

Außerdem werden wir eine Art Musikfilm-Kongress organisieren, um eine Plattform zur Verfügung zu stellen dafür, dass sich die unterschiedlichsten auf dem Feld der Musikfilm-Produktion tätigen Akteure während unseres Festivals in einen Gedankenaustausch begeben. Dieses Forum wollen wir gerne auch "institutionalisieren" und mittelfristig zu einer Art Branchentreff ausbauen.

Stefan, ich danke Dir für das lange, sehr informative Gespräch!

Christine


Posted by Christine on 31.08.2009 at 17:18 Uhr

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