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Okt
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Start der Interviewserie mit den UNERHÖRT! Festivalmachern
- Stefan Pethke, Filmemacher und Programmkoordinator UNERHÖRT!
Von Sommerpause keine Spur bei UNERHÖRT!. Auch wenn im Blog trügerische Ruhe herrschte, arbeitet/e das UNERHÖRT! Team auf vielen Ebenen an der Vorbereitung der dritten Ausgabe des Festivals vom 3.- 6. Dezember 2009 und einer UNERHÖRT! Nacht am 24. September im Rahmenprogramm des Reeperbahnfestivals.- Stefan Pethke, Filmemacher und Programmkoordinator UNERHÖRT!
Am 31. Juli endete die Frist für Filmeinreichungen für UNERHÖRT!. Die Konturen des Festivals hinsichtlich Gestaltung und Programm schärfen sich. Dies nehme ich zum Anlass, eine Interview-Serie mit den Festivalmachern zu starten, in der es zum Einen um die persönliche Vorstellung der Menschen, zum Anderen um das UNERHÖRT! Musikfilmfestival allgemein sowie aktuelle Informationen zum kommenden Festival geht.
Zum Auftakt habe ich mit Stefan Pethke gesprochen, unserem Programmkoordinator. Das Interview war so interessant und umfangreich, dass ich es in 3 thematische Blöcke unterteilt habe, die nacheinander im Blog veröffentlicht werden.
Im ersten Beitrag wird der Fokus auf Stefan selbst liegen, der zweite Teil befasst sich schwerpunktmäßig damit, was UNERHÖRT! als Filmfestival auszeichnet; im dritten Teil erreicht die Spannung dann ihren Höhepunkt, denn Stefan spricht zum ersten Mal – exklusiv hier im Blog – über Programmüberlegungen und Stand der Planung für das Festival im Dezember.
Teil 1: Stefan Pethke, Filmemacher und Programmkoordinator

Stefan Pethke (rechts) und Tobias Rapp, bei der 1. UNERHÖRT! Nacht am 2. Juli 2009 in Hamburg.
Stefan, bitte skizziere einmal Deinen Werdegang!
Zunächst habe ich Volkswirtschaft studiert und nebenbei Neigungsstreifzüge in die Politologie, Publizistik und Theaterwissen-
schaften (dort: Schwerpunkt Film) unternommen. Danach habe ich ein zweites – entscheidendes - Studium an der Deutschen Film-
und Fernsehakademie Berlin abgeschlossen.
Seitdem bin ich auf vielen Ebenen mit dem Thema Film befasst, durch eigene Filmprojekte und Regie-Assistenzen genauso wie durch Recherche- und Stoffentwicklungsarbeiten, Co-Autorenschaften beim Drehbuchschreiben, Dramaturgieberatungen, aber auch durch gelegentliche Publikationen von Kritiken und Aufsätzen (v.a. für Jungle World und kolik).
Darüber hinaus habe ich auch ein bisschen Theatererfahrung gesammelt, als Co-Autor eines Theaterstücks, das angesiedelt war vor dem Hintergrund türkischer Jugendgangs in Berlin/Kreuzberg, inkl. der Erstellung einer Video-Dokumentation des Stücks.
Das klingt sehr abwechselungsreich und spannend. Wo liegen Deine Schwerpunkte als Filmemacher? Welchen Film hast Du zuletzt fertig gestellt?
Als Filmemacher arbeite ich vorwiegend dokumentarisch, und zwar zu pop- und jugendkulturellen Themen. Auch zukünftige Filmprojekte haben vorwiegend mit Musik-Themen zu tun; zurzeit stehen Punk und Reggae im Fokus.
Meine letzte größere Filmarbeit ist die Dokumentation GEGEN DIE KULTUR, die ich gemeinsam mit Nicole Rother (Hamburg) gedreht habe. GEGEN DIE KULTUR zeichnet das Porträt der West-Berliner Battle-Rap-Szene, um das Label ROYAL BUNKER herum, auf dem der Film 2005 als DVD erschienen ist. Der kommerzielle Siegeszug der unanständig reimenden Jungs aus Deutschland hat hier seinen Ausgangspunkt gehabt, insofern ist das Phänomen alles andere als eine Randerscheinung!
Bevor wir zu UNERHÖRT! kommen: Was waren/sind Deine aktuellen Projekte?
Für die Berlinale war ich in den Jahren 2006 und 2007 als Mitglied des Auswahlkommittes des BERLINALE TALENT CAMPUS tätig. Bis Ende Juli war ich insgesamt 1 ½ Jahre Projektleiter von KUNST DER VERMITTLUNG. AUS DEN ARCHIVEN DES FILMVERMITTELNDEN FILMS, einem geförderten Initiativprojekt zur Erforschung, Verbreitung und datenbankmäßigen Erfassung von Filmanalysen in Filmform. Seit August 2009 widme ich mich schwerpunktmäßig UNERHÖRT!.
Wie bist zu seinerzeit zu UNERHÖRT! gestoßen?
Ich bin von Anfang an dabei, d.h. ich war bereits in der Konzeptphase beteiligt, lange vor der ersten Ausgabe des Festivals 2007. Der Festivalleiter Ralf Schulze ist ein langjähriger Freund aus gemeinsamen Studienzeiten der VWL in Berlin. Ralf hat mich frühzeitig als Filmspezialisten und Mit-Denker bei diesem spannenden Projekt ins Boot geholt.
Seit der ersten Ausgabe des Festivals im August 2007 bist Du der Programmkoordinator von UNERHÖRT!, d.h. Du bist verantwortlich für Themen, Auswahl der Filme und Programmgestaltung. Was ist hierbei Deine „Mission“?
Ja, das berüchtigte Mission-Statement! Mit einem Wort: WELTZUGANG.
Musik ist menschheitsgeschichtlich sehr früh ein Thema, entsteht wahrscheinlich noch vor der Sprache. Musik hat daher etwas Archaisches, geradezu Mysteriöses: Warum machen Menschen Musik? Welchen Zweck erfüllt Musik? Die Filme in unseren Programmen beteiligen sich, jeder auf seine ganz besondere Weise, an diesem universellen „Rätselraten“.
Demgegenüber ist Film ein sehr junges Ausdrucksmedium. Doch viel früher, als die meisten zu wissen glauben, nämlich bereits in den Anfängen der Filmgeschichte, ist auch hier schon Musik involviert. Das mag zu tun haben mit einer sehr grundlegenden Gemeinsamkeit:
Sowohl Musik als auch Film sind sog. zeitbasierte Medien. Wer Musik hört bzw. einen Film im Kino sieht, unterwirft sich einer vorgegebenen Organisation von Zeit. Etwas spult sich ab, linear von einem Anfang bis zu seinem Ende, ohne dass Zuhörer und Zuschauer auf diesen Ablauf Einfluss nehmen können.
Andererseits ist Film letztlich nur eine neue Form der Beschäftigung mit einem vermutlich ebenso alten Medium, wie die Musik es ist, nämlich dem Bild. Ebenso rätselhaft in seiner Wirkung: Was machen die Bilder mit uns? So ganz genau weiß das ja bis heute keiner. Gleichzeitig haftet Film etwas Analytisches an; in der Regel halten wir das, was uns Filmbilder präsentieren, für real: Wir können es sehen, also existiert es.
Bevor es jetzt philosophisch wird, noch die Frage: Was bedeutet Deine „Mission“ bezogen auf UNERHÖRT! ?
WELTZUGANG bedeutet für uns als Macher eines Musikfilmfestivals: Filme über Musik können zeigen, wer Musik macht, wer Musik hört, wie Musik gemacht wird, wie auf Musik reagiert wird usw..
Ende von Teil 1. Teil 2, in dem es um das Besondere des UNERHÖRT! Musikfilmfestivals geht, folgt in wenigen Tagen. Stay tuned!
Christine
Posted by Christine on 23.08.2009 at 13:46 Uhr




