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ON/OFF: Mark Stewart - from The Pop Group to The Maffia
- Interview mit Regisseur Tøni Schifer
- Interview mit Regisseur Tøni Schifer
Er zeigt auch die Hafenstadt Bristol als „Melting Pot“ britischer und US-amerikanischer Musik, schwarzer und weißer Kultur, und einer Szene, die so klein war, dass sich alle, die anders waren als der Rest, miteinander abgeben mussten und so einander beeinflussten und gegenseitigen Respekt entwickelten.
Der Film zeichnet Stewarts weitere musikalische Entwicklung nach. Seine kulturelle Erfahrung als Teenager blieb dabei als Grundhaltung prägend. Bis heute saugt er jedoch begierig interessante musikalische Entwicklungen der internationalen Musikszene auf, hört mit offenen Ohren, was die Kollegen machen, die inzwischen zum Teil seine Söhne sein könnten, und sucht immer wieder die Zusammenarbeit.
Stewart bleibt dabei ein musikalisches und menschliches Original, wie man es selten trifft. Besuche bei Stewarts Mutter und Aufnahmen von einer Familienweihnachtsfeier (!) zeigen das Einmalige seiner Persönlichkeit auch im Privaten.
„ON/OFF“ ist Schifers erster eigener Dokumentarfilm. Er betreibt seit Jahren das Musik-Label Crippled Dick Hot Wax! sowie seit 2003 das DVD-Label Monitorpop.
Das Interview mit Tøni Schifer führte Barbara Mürdter.
Wie bist du auf Mark Stewart gekommen?
Ende der 70er Jahre habe ich meinen Kulturschock mit The Pop Group erlebt. Ein Freund von meiner Mutter hat das Album laufen lassen. Das war für mich die Punk Explosion in einem anderen Sinne. Die Platte hat mich komplett geschockt. Ich weiß noch, dass ich mich hinsetzen musste. Das blieb also in Erinnerung, und ich habe auch die Mark Stewart Solo-Alben weiter beobachtet.
Jetzt mache ich schon seit geraumer Zeit ein Plattenlabel. 2003 habe ich mit einem DVD-Label angefangen. Über ein Ex-Mitglied von The Pop Group, mit dem ich da gearbeitet habe, bekam ich Kontakt zu Mark. Ich habe ihn gefragt, ob es interessantes Pop Group-Filmmaterial gibt.
Eigentlich wollte ich damit nur eine DVD kompilieren, aber nachdem wir dann telefoniert hatten, haben wir uns für eine komplette Dokumentation entschieden. Einerseits gibt es nicht so viele Clips, aber es ist auch wesentlich interessanter, die komplette Geschichte zu erzählen.
Was findest du so interessant an Mark, was über die persönliche Erfahrung hinaus geht?
Mark gilt neben seinem Engagement bei der kurzlebigen, aber wahnsinnig einflussreichen The Pop Group auch als der Ziehvater der Bristol-Szene: von Tricky, Massive Attack – also dieser ganze Melting Pot da in Bristol.
Auch der Einfluss von HipHop; hier war Bristol die erste Stadt entweder in Europa überhaupt oder zumindest in England, wo diese Einflüsse in die Musikszene aufgenommen wurden. Da war Mark eine der federführenden Figuren. Und dann seine Arbeit mit The Maffia, für On-U-Sound bis heute.
Dazu kommt noch, dass ich Mark einen sehr interessanten Typ finde, ein echter Charakter. Wir kommen gut miteinander klar. 2004 /2005 habe ich angefangen zu filmen. Ich war mit ihm auf Tour, in Weymouth bei seiner Mutter, in Bristol. Seitdem begleite ich ihn regelmäßig.
Wie bist du an das ganze Material herangekommen?
Die Clips haben wir freundlicher Weise von Warner Brothers und Mute zur Verfügung gestellt bekommen. Es gibt viel Fotomaterial. Ich habe zahlreiche Interviews geführt, mit ehemaligen The Pop Group-Mitgliedern, die später dann Bands wie Pigbag und Rip Rig & Panic gegründet haben.
Ich habe Leute wie Nick Cave besucht. Der hat mir zum Beispiel erzählt, dass The Pop Group für Birthday Party ein Grund war, nach Europa zu gehen. Ich habe mit Daniel Miller von Mute Records gesprochen, mit Musikern von Jesus and The Mary Chain bis Jon Spencer. Es berufen sich sehr viele Leute auf Marks Musik.
Wie hast du den Film gestaltet, was ist der Tenor?
Es geht in der Doku weniger darum zu zeigen, wie es damals war. Es ist ein Porträt, in der der Schwerpunkt auf Mark liegt. Auch bei The Pop Group war er ja schon das Aushängeschild. Er war auch derjenige, der die ganzen politischen Slogans eingebracht hat, diese Attitüde: Wir machen nicht nur Musik und singen über Liebe, Mädels und Musik, sondern er hat darin auch eine andere Aufgabe gesehen.
Der Film an sich ist ein Puzzle. Er beleuchtet die Geschichte von Mark, seit er als Teenager angefangen hat, in einer Band zu spielen; was er dann mit The Maffia gemacht hat, mit grandiosen Musikern, die im Studio in New York mit Sugarhill Gang und James Brown gespielt haben, die Crème de la Crème an Studiomusikern, mit denen er seine Platten gemacht hat und nach wie vor auf Tour ist. Adrian Sherwood, der On-U-Sound gegründet hat, ist auch noch immer der Livemixer.
Es gibt natürlich auch sehr viel Persönliches und Privates in dem Film, weil Mark ein sehr humorvoller Mensch ist, und - obwohl er sehr politisch denkt - auch ein sehr hoffnungsvoller Mensch. Was auch noch sehr wichtig ist: Es gibt sehr viel Musik, von Mark Stewart solo, aber auch von The Pop Group. Es wird bisher unveröffentlichtes Material gezeigt. Es geht also nicht um eine trockene Doku, sondern auch um einen Musikfilm.
Ist es jetzt nicht gerade eine gute Zeit für so einen Film, wo sich in den letzten Jahren viele junge Bands auf die frühen 80er in England bezogen haben, z.B. auf Gang of Four? Zu zeigen: He, da gab es auch The Pop Group?
Mark ist ja nie wirklich weg gewesen. Auch wenn das letzte Soloalbum vor dem aktuellen 1998 erscheinen ist, hat er ja auch viel mit anderen Leuten zusammen gemacht, jetzt mit Massive Attack etc.. Und Mark ist auch ein Mensch, der mal sagt: Jetzt habe ich gerade keine Lust und dann drei Jahre was anderes macht, mit seinen Kumpels einen trinken geht oder so.
Und was ich wichtig finde ist, dass für ihn eigentlich immer die richtige Zeit ist. Sein aktuelle Musik und auch, das was er früher gemacht hat, hört sich alles nicht antiquiert an. Anfang der 80er war er ganz weit voraus, und hat so viele Leute beeinflusst. Wenn ich mich allein hier in Berlin umhöre: Alec Empire sagt so etwas, DJ Hell oder Nine Inch Nails. Auch wenn er teilweise sehr schwierige Musik gemacht hat.
Von daher ist es kein Retro-Spaß: Mark Stewart ist zurück, wird immer wieder neue Platten herausbringen und hat auch Lust zu touren. Natürlich ist die Zeit gut für so ein Thema, aber ich glaube, es ist gerade deshalb wichtig, so einen Charakter wieder zu sehen. Ich sehe wahnsinnig viele Bands, und ich vermisse oft Inhalte und stelle fest, dass sehr vieles sehr, sehr ähnlich ist und mir oft die individuelle Klasse fehlt.
Wir bedanken uns bei unserer Gastautorin Barbara Mürdter, Berlin, die auch den Blog popkontext! betreibt.
http://popkontext.de/index.html

Die Deutschlandpremiere von „ON/OFF: Mark Stewart – from The Pop Group to The Maffia“ von Tøni Schifer, D/UK 2009 findet auf dem UNERHÖRT! Musikfilmfestival Hamburg am 4. Dezember, 21 Uhr, im 3001 Kino statt.
Kartenreservierung direkt im 3001, Tel.: 040/437679.
http://www.monitorpop.de/
Posted by Christine on 22.11.2009 at 21:58 Uhr
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