UNERHÖRT! Bester Musikfilm 2012
Das Lied der Dinge - Bester Musikfilm 2012
Die Jury von UNERHÖRT! 2012 möchte von den 11 Wettbewerbsbeiträgen (Aufnahmekriterium: Produktionsjahr 2010 oder später) drei Filme des diesjährigen Festivalprogramms besonders hervorheben. Jeder dieser drei Filme hätte den Hauptpreis verdient. Zweimal wird deshalb eine besondere Erwähnung ausgesprochen für Filme, die sich bereits einer großen öffentlichen Wertschätzuung auf internationalen Filmfestivals erfreuen.1. lobende Erwähnung: LAGOS - NOTES OF A CITY
Der Film von Jens Wenkel beeindruckt durch seinen besonderen Blick. Hier gehen eigene Erfahrungen auf Regieseite eine äußerst fruchtbare Kooperation mit dem geübten Sehen durch den kinematographischen Apparat auf Kameraseite ein. Es zeigt sich, dass komplexe Realitäten durch profunde Kenntnisse der Verhältnisse vor Ort in Kombination mit klug und sensibel gehandhabten Kameraoperationen vermittelbar werden können.
Musik spielt in dem Film eine wichtige, doch keineswegs die zentrale Rolle. Sie ist stets gegenwärtig, ganz konkret, aber auch als Metapher für den Drive einer Stadt, der die Verhältnisse und deren Bilder auf zum Teil Atem beraubende Weise im Fluß hält.
2. lobende Erwähnung: THE BALLAD OF GENESIS AND LADY JAYE
Der Film von Marie Losier verbindet auf spielerische Art, einem Bewusstseinsstrom gleich, Liebe, Leben und künstlerische Ausdruckskraft miteinander. Auf kluge und liebevolle Weise arbeitet der Film mit On- und Off-Verschiebungen, mit Asynchronitäten und Cut-up-Techniken. Synchron wird der Film durch die sich verschmelzenden Körper von Genesis und Lady Jaye - ein Film, der auf poetische Weise den Horizont und Blick auf das Leben weitet.
Der UNERHÖRT!-Preis für den besten Musikfilm 2012 geht an denjenigen der drei Jury-Favoriten, der womöglich den größten Nutzen aus diesem Preis ziehen kann, nämlich an den Hochschul-Abschlussfilm
DAS LIED DER DINGE -
VIER KONZERTE UND EIN PIANO MIT HELMUT BIELER-WENDT
von Nils Menrad.
Die Begründung der Jury:
Der Film hat uns überzeugt, weil er nicht ein Film über jemanden oder etwas ist, sondern weil hier in der Zusammenarbeit von Filmteam und Komponist eine quasi kongeniale Reflexion entsteht. Zunächst profane Formen, Materialien und Architekturen werden auf ihr mediales Potenzial hin abgetastet. Den Rahmen bilden zwei etablierte Kunstorte, dazwischen Residuen einstiger industrieller Produktionsorte: ein Steinbruch und eine Nähwerkstatt (dass es sich dabei also bereits um den kulturellen Nachhall Europas handeln könnte, liegt nahe).
Die Jury prämiert mit DAS LIED DER DINGE den einzigen Film des diesjährigen UNERHÖRT!-Programms, bei dem sich das Filmische und das Musikalische durchdringen und gegenseitig hervorbringen.


