UNERHÖRT! Musikfilmfestival 2018

Das Hamburger Musikfilmfestival UNERHÖRT! kehrt nach zwei Jahren zurück in den Kino-freundlichen Herbst: vom 7. bis zum 10. November 2018 dreht sich vier Tage lang wieder alles um Musik in Bewegtbildern.

Die zwei Regionalschwerpunkte der 12. Ausgabe von UNERHÖRT! passen zur politischen Großwetterlage:
Im Jahr 2 der Regierung Trump und bei anhaltend schwierigen Verhandlungen zum Brexit enthält das Filmprogramm so viele Filme wie noch nie über Musik aus den USA und Großbritannien. Wenig überraschend kommen in diesen Filmen eher nicht besonders staatstragende Positionen zum Ausdruck. Die Spanne reicht von außergewöhnlichen Persönlichkeiten – John Coltrane, Shirley Collins, Blacker Dread – über Bandprojekte – die weiblichen Grunger von L7 – bis zu ganzen Szenen – Detroit-Techno, US-amerikanischer DIY/Straight Edge/Hardcore-Underground, schottischer Post-Punk und Library Music-Nerds. Die britische Produktion THE LIBRARY MUSIC FILM eröffnet das Festival am 7. November im 3001 Kino. Mit Gästen! Die zweite Schwerpunktregion bildet Ost-Europa: Subkulturen aus Estland, Russland, Bosnien-Herzegowina und Slowenien sind Gegenstand von insgesamt 6 Filmen des Programms – und auch das ist UNERHÖRT!-rekordverdächtig. Neben der Bekanntschaft mit dem einzigartigen Avantgarde-Filmkomponisten Oleg Karavaitschuk sind Streifzüge zu machen durch die Geschichte abweichenden Verhaltens sowohl in ex-sowjetischen wie in ex-jugoslawischen Verhältnissen – u.a. mit einer ganz frischen Produktion über das erste LAIBACH-Album. Zuguterletzt gibt es eine Kompilation streiflichtartiger Einblicke in diverse Aussteiger-Szenen des zeitgenössischen Russlands. Hiesige Heimatklänge kommen ebenfalls wieder zu ihrem Recht: Deutschland gibt sich zu erkennen im Spiegel lokaler Jimi-Hendrix-Verehrung, in einem Block von Musikvideos heimischer Produktion und in einem Porträt der Band MESSER aus Münster. Schließlich verbindet eine Art filmisches Selbstporträt der Weltmusik-Pioniere von EMBRYO Deutschland wieder mit der großen, weiten Welt. Als Hommage an den im Sommer verstorbenen Filmemacher und Wahl-Hamburger Klaus Wildenhahn zeigen wir seine beiden Filme über das Bandoneon. Es geht also um Tango … als Musik deutscher Arbeiter! Dass der Mann, der das Direct Cinema in Deutschland hoffähig gemacht hat, nicht mehr mit uns und unserem Publikum ins Gespräch kommen wird, ist ein schmerzlicher Gedanke. Die meisten der gezeigten Filme nehmen wie in jedem Jahr am Wettbewerb um den Preis für die beste Musikdokumentation teil. Er wird 2018 vom Pop-Archiv für Populäre Kultury gestiftet und ist mit 2.500,- € dotiert. Eine unabhängige Jury, bestehend aus drei eng mit Hamburg verbundenen Expert*innen, die selbst an der Schnittstelle zwischen Film und Musik unterwegs sind, vergibt ihn. Die 17 Vorführungen des Festivals - mit insgesamt 20 Filmen und einem Block an Musikvideos - größtenteils bestehend aus Deutschland- und Hamburg-Premieren, verteilen sich auf zwei Abspielstätten: Mittlerweile fast schon Tradition hat die Zusammenarbeit mit dem Cinephilen-Kollektiv vom B-Movie auf Sankt Pauli. Darüber hinaus schlägt UNERHÖRT! nach einigen Jahren Pause auch wieder im Vorzeige-Arthauskino 3001 auf, mitten in der Schanze. Film- und Musikinteressierte können die Tickets für die einzelnen Filme bei den Kinos und deren Kassen und Tickets erstehen.