Klaus Wildenhahn

BRD I 1981 I 52 + 44 Min. I OF I In memoriam Klaus Wildenhahn (19.6.1930 – 9.8.2018)

Im August diesen Jahres ist Klaus Wildenhahn gestorben. UNERHÖRT! fühlte sich dem gebürtigen Rheinländer und Wahl-Hamburger immer sehr verbunden. Denn fast alle Filme des Direct Cinema-Vorreiters in Deutschland, die sich mit Musik bzw. mit Tanz beschäftigten, waren irgendwann im Programm unseres Festivals. Das fing gleich bei unserer ersten Ausgabe 2007 mit seinem Porträt von John Cage an und ging über die Jahre weiter mit seinen Filmen zu Merce Cunningham, Jimmy Smith und Pina Bausch - UNERHÖRT!-legendär sein Kopfverband-Auftritt nach dem Cage-Film, zu dem er auch seinen Kameramann Rudolf Körösi mitbrachte. Wildenhahn kam aber nicht nur zu seinen eigenen Filmen persönlich vorbei. Er stellte sich auch 2013 unserem Pilotprojekt "Work in progress" als Spontankommentierer zur Verfügung. Dies war eine Formatidee, bei der es galt, mit Erfahrung und Expertise über zwei noch nicht fertiggestellte Filme vor Publikum zu sprechen. Das konnte Wildenhahn ausgesprochen gut, weil er die Balance zu halten verstand zwischen Einfühlung, Klarheit in der Kritik und minimal-invasiven Anregungen. Als wir ein Jahr später aus Anlass des Todes von Harun Farocki dessen SINGLE – EINE SCHALLPLATTE WIRD PRODUZIERT zeigten, kam Wildenhahn wieder ins B-Movie und trank mit uns ein Bier. Eine Arbeit Wildenhahns fehlte uns noch, dann wäre unsere eigene kleine Retrospektive seiner musikalischen Arbeiten vollständig gewesen: seine beiden zusammenhängenden Tango-Filme. Wir schoben die Entscheidung jedes Jahr aufs Neue hinaus, auf der Suche nach programmatischen Anbindungen, nach weiteren, aktuellen Filmen mit Tango-Bezug, weil doch unser Ehrgeiz bei UNERHÖRT! darin besteht, Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Filmen herzustellen. Wir haben uns zu viel Zeit gelassen. Jetzt zeigen wir die Filme ohne solche Bezüge - und ohne Klaus Wildenhahn. Eine bescheidene nachträgliche filmische Trauerfeier.
 

 
Zu den Filmen: Auf den Spuren des fast ausgestorbenen Instruments verfolgt Wildenhahn verschüttete Traditionen der Arbeiterkultur im Ruhrgebiet und neue Formen des argentinischen Tangos in Berlin und Paris.
(Quelle: DVD-Hülle von der DVD-Box "Klaus Wildenhahn Filme 1965 – 1991", DVD 1: "1965 - 1981 – Musikalisches", fünf DVDs, absolut Medien 2010)
Fasziniert begeben sich Wildenhahn und der Arbeiterdichter Günter Westerhoff auf eine Forschungsreise in die Geschichte des Bandonions, der Leute, die es gespielt haben und noch spielen, und seiner Musik, dem Tango. So entreißen sie einen Teil der proletarischen Musikkultur dem Vergessen. Westerhoff war einer der letzten Komponisten für dieses Instrument.
(Quelle: dokART/Metropolis Kino)
In Memoriam Klaus Wildenhahn I Freitag, 09.11.2018, 17 Uhr I Kino: 3001 Mehr Informationen zu Günter Westerhoff: www.dkp-online.de