Legere records

Paul Elliot, Sean Lamberth

UK I 2018 I 113 Min. I OmenglU I Deutschland-Premiere

Was ist Library Music? Fragen wir Wikipedia: "Als Produktionsmusik (auch Library Music, Trailer Music oder Stock Music) wird Musik bezeichnet, die speziell zur Nutzung in TV, Film, Hörfunk, Werbung, Filmtrailern, Videospielen, Imagefilmen, YouTube etc. produziert wird. Sie wird von so genannten Music Libraries (Produktionsmusikarchiven) beigesteuert, die Lizenzen für unterschiedliche Nutzung vergeben. Produktionsmusik ist meist nicht im normalen Musikhandel erhältlich." Solche Musik ist also so etwas wie vorauseilende Auftragsarbeit, eine Art Fundus aus Musik, für Nutzer, die es systematisch eilig haben und sich hier wie in einer Bibliothek nach Gusto selbst bedienen können. Das war das billigere Geschäftsmodell im Vergleich zum beauftragten Komponisten - und zielte entsprechend darauf ab, die gesamte Bandbreite dessen zu bedienen, was der Zeitgeist an Genres, eingesetzten Instrumenten und vorgestellten Atmosphären alles so wünschen könnte. Es heißt, die Goldene Ära der Library Music hätte sich erstreckt von Ende der 1960er Jahre bis Mitte der 1980er. In dieser Zeitspanne sind Tausende von Alben mit solcher Musik produziert worden. Es war dies die Zeit, als die größten Komponisten der Welt noch in den besten Studios mit kompletten Orchestern, teuerster Ausrüstung und den kompetentesten Technikern Aufnahmen machen durften. Heutzutage hat diese Musik auf der ganzen Welt wieder eine loyale - und stetig wachsende - Fangemeinde aus DJs, Beatmachern, Stilvorreitern, Plattenproduzenten, Journalisten und Vinylsammlern. Sie wird auch von zeitgenössischen Musikern verwendet – gesamplet steckt sie in so manchem Charts-Hit der Gegenwart.
 

 
THE LIBRARY MUSIC FILM war zwei Jahre lang weltweit unterwegs und hat dabei viele originelle Musiken aufgespürt. Durch den Film führt mit elektrisierender Begeisterung der Multiinstrumentalist, Plattenproduzent und Library Music-Enthusiast Shawn Lee. Shawn stellt uns die Legenden des Genres vor, Leute wie  Alan Hawkshaw, Keith Mansfield, John Cameron, Barbara Moore, Janko Nilovic, Brian Bennett, Stefano Torossi und viele andere mehr und bringt sie dazu, zum Teil aberwitzige Anekdoten aus ihren Glanzzeiten zum Besten zu geben.

Außerdem interviewt Shawn Lee prominente DJs, Produzenten und andere heute aktive Musiker wie  Mark Rae, Fatboy Slim, Cut Chemist, Young Einstein sowie den Komponisten des Marvels-Soundtracks Adrian Younge – womit der Film den lebendigen Nachweis liefert, dass Library Music heute immer noch eine wichtige Rolle spielt.

Darüberhinaus macht uns Shawn mit den einschlägigen Labeln und Verlagen für diese Musik vertraut und mit den Menschen, die dahinterstehen: Music DeWolfe, Warner-Chappell, Bruton Music, Bosworth, Flipper Music, KPM, TeleMusic sowie Capitol Media Music. Labelbetreiber, die sich mit Kompilationen und Re-Issues heute wieder der Veröffentlichung solcher Musik widmen, kommen ebenfalls zu Wort.

Auch zur gelegentlich wundersamen Welt der Plattensammler öffnet Shawn Lee dem Film die Tür. Er schaut bei einigen ihrer bekanntesten Vertreter in die Plattenkisten und lässt sich Lieblingsstücke vorspielen. Das Sammeln von Library Music-Alben ist übrigens ein sehr lukratives Geschäft: Es gab diese Musik nur auf Vinyl, es wurden nur Kleinstauflagen von maximal 200 Stück gepresst, und diese gingen nie in den offenen Verkauf, sondern ausschließlich an Branchenmitglieder. Als in den 1990ern die CD aufkam und alles plattmachte, wurden die meisten dieser Platten geschreddert … Heute gehen diese Scheiben gerne mal für deutlich über 1.000 Pfund über den Ladentisch!

Klingt alles ganz schön nerdig, ist aber eine toller Streifzug durch ein Paralleluniversum der Musikindustrie. Oder wie es das englische Presseheft zum Film sagt: Du kennst die Musik, aber nicht die Geschichten dahinter!

Deutschland-Premiere I Mittwoch, 07.11.2018, 21 Uhr, 3001 – Eröffnung! I Kino: 3001
Mehr Infos: www.librarymusicfilm.com I www.facebook.com/librarymusicfilm