UNERHÖRT! 2016: 21. - 24. September
10 JAHRE HALTUNG –
10 JAHRE HALTUNGEN

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Worte des Kurators
Das UNERHÖRT!-Programm zum runden Geburtstag zeigt sich wieder als tauglicher Seismograph. Besonders ins Auge (und Ohr) springen die intensiven Bemühungen, Positionen zu beziehen und Haltungen Ausdruck zu verleihen. Vielleicht ist der Eindruck einer Intensivierung auch nur den allgemeinen Umständen geschuldet, weil Haltung doch andauernd zu erleben ist, wo Menschen mit dem, was sie machen, in die Mitteilung gehen und die Öffentlichkeit, den Austausch suchen. In diesem Jahr der berühmten Künstlertoten und höher drehender Angst-Kultur wirkt das alles irgendwie noch mal ein bisschen ernster und dringlicher.

Symptomatisch für die Befragung der Verhältnisse, in denen wir (hier) leben, ist der Film DEUTSCHE POP ZUSTÄNDE – EINE GESCHICHTE RECHTER MUSIK von Lucía Palacios und Dietmar Post, beides Garanten für gut recherchierte und klug gebaute Auseinandersetzungen zu Pop-Kultur mit deutschen Anteilen (ihre bekanntesten Arbeiten über THE MONKS und Donna Summer zeigten die jeweiligen Protagonisten als in Deutschland stationierte GIs bzw. als mit Euro-Disco Made in Munich deutlich verstrickt).

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Auch Regisseur Oliver Schwabe, häufiger Gast bei UNERHÖRT! und profiliert im Umgang mit TV-Archiven (und darüber hinaus Kameramann bei FRAKTUS!), treibt der Ehrgeiz an, bei der Rückschau wohlig-melancholische Nostalgie zu vermeiden und die Brücke in die Gegenwart zu schlagen. In all seinen Filmen fragen Menschen aus einem dezidierten Heute nach Möglichkeiten, Errungenschaften von früher unter aktuellen Bedingungen anzuwenden. So auch in KEINE ATEMPAUSE, seinem frisch fertiggestellten Porträt der Düsseldorfer Punk-Szene der 1980er Jahre – nach Arbeiten über Berlin und Hamburg gewissermaßen Teil 3 von Schwabes Deutschpunk-Trilogie. Und die gilt es zu komplettieren! Schwabe wird dann auch sein Projekt über Geschichte und Auswirkungen von Punk in ganz Deutschland vorstellen, Arbeitstitel GOTTSEIDANK NICHT IN ENGLAND – kein weiterer Fall von Brexit-Häme, sondern noch mal das Zitat eines Songtitels der Band FEHLFARBEN.

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DAF am Flughafen Düsseldorf 1981 © Gleim

FAST WELT WEIT von Caroline Kirberg wird dann ganz zum Heimspiel, über den Hamburg-Bezug, den schon in den 1980er Jahren eine Gruppe junger Pop-interessierter Ostwestfalen herstellte und deren Provinz-Input mithalf, den musikalischen Output der Hanse-Großstadt neu zu definieren. In Kirbergs Film versammeln sie sich 30 Jahre später um ein Bauernhof-Lagerfeuer, die Spilkers, Begemanns, La Hengsts, Girkes und einige mehr, und dringen beim dörflichen Klassentreffen in philopophische Dimensionen vor – das war und ist ja ohnehin deren Spezialität, dieses rege Hin und Her zwischen Banalität und Wesentlichem. Dabei fällt ein Satz, der bringt es auf den Punkt wie ein Motto für UNERHÖRT! „Musik könnte sowas von schön sein. Muss aber nicht.“
FAST WELT WEIT ist ein Kurzfilm über das unabhängige Plattenlabel „Fast Weltweit“ (man bemerke die feinen Unterschiede zwischen Filmtitel und Labelname); er wird im Rahmen des Doppelprogramms „Zwei Labels aus Deutschland“ gezeigt. Für die Ankopplung an das Heutige sorgt spätestens die Kombination mit dem zweiten Film des Programms, FREIHEIT FREIHEIT WIRKLICHKEIT über das zeitgenössische Label „Analogsoul“ aus Leipzig. Diese Arbeit heißt im Untertitel „ein Film über Leben mit Musik“, und es wird abzugleichen sein, ob man sich quer durch Republik und Generationen ähnliche Fragen stellt.

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FAST WELT WEIT © Archiv Achim Knorr

Aber natürlich kommt der Blick auf ganz andere Verhältnisse auch bei der 10. Ausgabe von UNERHÖRT! nicht zu kurz:

Zwei junge holländische Frauen führen uns ein in die harsche Realität von Rio de Janeiros Armutsvierteln mit ihrem Film INSIDE THE MIND OF FAVELA FUNK. Dabei konzentrieren sie sich auf den derzeit populärsten brasilianischen Ghetto-Tech-Sound, eben Favela Funk, den sie eher von der Rezipientenseite, also von der Seite seiner HörerInnen durchleuchten – Psychogramm einer Gesellschaft von unten.

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Unser diesjähriger Eröffnungsfilm MALI BLUES stellt vier sehr unterschiedliche Musikstile aus dem westafrikanischen Mali vor – elektrifiziertes traditionelles Ngonispiel, Tuareg-Blues, AfroPop und Rap – und entsprechend unterschiedliche Künstlerpersönlichkeiten, mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen. Gemeinsam ist allen Protagonisten das Bedürfnis, mit der Musik, der eigenen wie der ihrer Kollegen, für einen toleranten Islam und für Aussöhnung im Land einzutreten. Wie vor einem Jahr erfolgreich eingeführt, sind wir dabei zu Gast im Metropolis Kino, bei unseren Freunden von dokART. Wir freuen uns auf diese Veranstaltung, eine Woche vor dem Deutschland-weiten Kinostart des Films und sind gespannt auf den Besuch des Botschafters von Mali, der vielleicht, vielleicht den einen oder anderen Gast mitbringt …

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MALI BLUES © Konrad Waldmann

Dagegen hat Farid Eslams YALLAH! UNDERGROUND über musikalische Subkulturen des Nahen Ostens vor, während und nach dem so genannten Arabischen Frühling bereits über ein Jahr internationalen Festivalzirkus in den Knochen – und immer noch keinen Verleih in Deutschland. Mit dem Film des hyperaktiven Eslam, in Deutschland aufgewachsen, in Tschechien zu Hause, reisen wir in fünf benachbarte Länder, allesamt Epizentren der Weltpolitik, und bekommen es mit jungen Menschen zu tun, deren Fusionssehnsüchte sie dazu drängen, die Musik ihrer Herkunftsregionen mit westlichen Stilen zu kombinieren.

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Apropos Fusion: Wenn wie in JUNUN Bandmitglieder und Soundingenieure von RADIOHEAD, verschiedene Musiker aus Rajasthan und ein israelischer Komponist, der zudem als ausgewiesener Experte indisch-muslimisch geprägter spiritueller Musik gilt, in einer über ein halbes Jahrtausend alten indischen Festung ihre Köpfe zusammenstecken, kann man sich nicht nur auf eine energiegeladene synästhetische Erfahrung gefasst machen. Wir erleben auch, wie ein Aufeinander-Zugehen konkret aussieht bzw. wie es sich anhören, anfühlen kann. Die außergewöhnliche Begegnung zwischen Shye Ben Tzur, dem Rajasthan Express und Jonny Greenwood von RADIOHEAD und deren Tontechniker Nigel Godrich dokumentierte niemand Geringeres als Paul Thomas Anderson, mit Filmen wie BOOGIE NIGHTS, MAGNOLIA und zuletzt INHERENT VICE zur Ikone des US-amerikanischen Arthouse-Kinos geworden – so viel Hollywood-Prominenz hatten wir bei UNERHÖRT! noch nie!

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JUNUN Filmposter © Shin KATAN

Im Doppelprogramm „Jamaican Music und Homophobie“, präsentiert von Vice/Noisey, kommen in YOUNG & GAY: JAMAICA’S GULLY QUEENS zuerst die harten Verhältnisse für schwul-lesbische Menschen in Jamaika zur Darstellung. Danach zeigt OUT AND BAD: LONDON’S LGBT DANCEHALL SCENE eine mögliche Konsequenz: Exil. Und was dort möglich wird. Im Anschluss werden Vertreter beider lokalen Szenen, also der in Hamburg jeweils sehr aktiven Reggae/Dancehall- und LGBT-Communities miteinander diskutieren (für das gesamte Doppelprogramm ist der Eintritt frei).

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OUT AND BAD © Vice/Noisey

Dass das Vice Magazine dort hingeht, wo es wehtut, ist hierzulande spätestens seit dem Film HEAVY METAL IN BAGDHAD bekannt. Doch nicht immer schmerzt es auswärts, am Ende ist die Pein doch eh meist hausgemacht. Davon können wir uns (aus amerikanischer Perspektive) ein Bild machen, wenn wir den dritten von Vice/Noisey präsentierten Film THE REDEMPTION OF THE DEVIL anschauen. Dort sind wir eingeladen, die zerrissene Persönlichkeit von Rock’n’Roll-Rampensau Jesse „The Devil“ Hughes, Frontman der EAGLES OF DEATH METAL, kennenzulernen, das Kokettieren mit äußerst konservativer Politik inklusive. Der Anschlag auf das EODM-Konzert im Pariser Bataclan findet hier keine Erwähnung, doch es fällt schwer, das Wissen darum auszublenden bei der Bewertung dessen, was Hughes in dem Film von sich (preis)gibt.

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In diesem Seelenabgründe-Ausloter taucht am Rande als guter Kumpel auch Josh Homme auf, bekannt als führendes Mitglied der Bands QUEENS OF THE STONE AGE und KYUSS. In LO DESERT SOUND, eine Szenebeschreibung mit der Akribie eines Geschichtsbuchs über Stoner Rock, ist Homme eine der zentralen Figuren. LO DESERT SOUND leitet Hintergründiges zum Umfeld teilweise größerer Namen ab aus den besonderen Umständen, die eintreten, wenn der American Way of Life auf die kalifornische Wüste trifft.

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Um eine Band mit dem ganz großen Fame geht es bei BLUR: NEW WORLD TOWERS – FROM HONG KONG TO HYDE PARK AND BACK. Eingebettet in tolle Aufnahmen von zwei gigantischen Konzerten sind die einzelnen Musiker nicht zuletzt beim alltäglichen Kampf mit ihrem Status hautnah zu erleben. Manche der Filmbilder stammen sogar direkt von ihnen …

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Die Kooperation mit dem Reeperbahn Festival verschafft UNERHÖRT! in diesem Jahr das schöne Kino im eastHotel. Wir sind guter Dinge, dass unsere Filmauswahl die richtigen Kontrapunkte setzen kann gegen die Kuschelgefahr, die dort definitiv herrscht!

Ein ebenfalls neu hinzugekommener Aufführungsort, in nicht minder gediegenem Rahmen, ist das Golem, mit einem kleinen Program, dessen Schwerpunkt auf Experimentellerem liegt. Neben dem bereits erwähnten KEINE ATEMPAUSE kommen hier drei Filme zur Aufführung, die unter die Rubrik „Angewandte Klangforschung“ gestellt werden könnten:

In HOT SUGAR’S COLD WORLD begegnen wir dem manischen Sound-Archivar Nick Koenig aus New York aka Hot Sugar, der für seine HipHop-Beats teilweise sehr bizarre Geräusche-Samples wählt. Das Spektrum reicht von Brausepulver bis Totenschädel …

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VOICE – SCULPTING THE SOUND WITH MAJA S. K. RATKJE begleitet Norwegens bekannteste Komponistin, Elektronikerin und Vokalistin Maja Ratkje ein ganzes Jahr durch Europa und durch ein Leben mit Musik.

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© Kai Miedendorp

Bei MELODY OF NOISE geht es zu unseren lieben Nachbarn in die Schweiz und einem Reigen von Lärmmanipulatoren, die unsere Klischee-Vorstellung von alpiner Biederkeit mit ihrer Eigenheit einfach wegreißen. Und was heißt überhaupt Lärm? Einer der Protagonisten, der nicht nur in der Schweiz für seinen Umgang mit Computern beim Spielen von Jazz bekannte Bruno Spoerri, sagt dazu: „Der Unterschied zwischen Musik und Lärm ist nur, ob man hinhören will oder nicht.“ Noch so ein potenzielles UNERHÖRT!-Motto …

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Julian Sartorius in MELODY OF NOISE

Zwei weitere Nachbarn, zwei sehr unterschiedliche Themen:
In GIRL POWER stellt uns die tschechische Graffiti-Künstlerin Sany die internationale Szene weiblicher Sprüherinnen vor, quasi ein Selbstporträt im globalen Kontext. Sany ist damit im Programm eine von acht Regie-führenden Frauen. Immerhin. (Trotzdem bleibt es gegenüber 21 Regie-Kollegen bei der üblichen Männer-Dominanz.)

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In ROBERT & THE NEVER ENDING TOUR steigen wir österreichisch-trocken, also ziemlich bizarr-lustig in die Welt obsessiven Fanverhaltens ein, unter besonderer Berücksichtigung von Bob Dylan.

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ROBERT Filmposter © Gerald Zahn

Last but not least:
Mit IN THE AUDIO-VISUAL MAZE – A GUIDED TOUR FOR MOVIE CONNOISSEURS liefert uns Assaf Etiel aka VJ Safy Sniper, Berlin-basierter israelischer Videokünstler und VJ erster Stunde, eine Achterbahnfahrt durch Bild- und Soundfluten. Für UNERHÖRT! hat er Ausschnitte aus Filmen der Filmgeschichte (inklusive deren Randgebiete) so aufbereitet, dass die Musik in der Zusammenstellung zur Hauptdarstellerin wird. Eine Live-Performance mit Improvisationscharakter und offenem Ausgang.

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Collage © VJ Safy Sniper
UNERHÖRT! 2016
Das Programm steht!
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10 . Ausgabe UNERHÖRT!
17 Veranstaltungen
mit 18 Filmen
mit/über/zu
Abstract Electronics, AfroPop, al-guitara, Britpop, Computerjazz, Dancehall, Elektropop, Experimental Rock, Favela Funk, Folk, Garage-Rock, HipHop, Improvisierte Musik, Metal, Ngonispiel, Noise, Punk aus West-Deutschland, Qawwali, Rechtsrock, Sound-Land-Art, Stoner-Rock
+ 1 audio-visuelle Live-Performance
+ 1 Filmprojektvorstellung
an 4 Vorführungsorten
und am Schluss gibt es
1 Preis für den UNERHÖRT! besten Musikfilm
mit 500 EUR dotiert
von einer 3-köpfigen unabhängigen Jury vergeben

Die grobe Übersicht:
UNERHÖRT!_2016_–_Übersicht2.pdf

Infos zu den einzelnen Filmen gibt's hier.

Die Spiele mögen beginnen!

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OUT AND BAD © Vice/Noisey
Jubiläum auf der Reeperbahn!
UNERHÖRT! feiert sein 10-jähriges Jubiläum gemeinsam mit dem Reeperbahn Festival! Zwischen dem 21. und 24. September 2016 präsentieren wir in den Locations B-Movie, Golem und East Cinema Filme über Musiker, Bands und ihre Fans, über Musikbewegungen und ihre soziokulturellen und politischen Hintergründe zwischen Underground und Hochkultur. Auch in 2016 wird wieder der "UNERHÖRT! Beste Musikfilm“-Preis verliehen, vergeben von einer unabhängigen Jury. Filmschaffende, die an einer Aufführung ihrer Werke im Rahmen des Unerhört! Musikfilmfestivals interessiert sind, können diese bis zum 1. Juli hier: http://unerhoert-filmfest.de/index.php/site/filmeinreichung/deutsch/ einreichen.
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(gefunden in Tübingen von Kirsten Herfel)
Filmeinreichungen ab sofort!
UNERHÖRT! interessiert sich auch im zehnten Jahr wieder für alle Filme, die sich mit Musik auseinandersetzen. Formate, Filmlängen, musikalische Genres: egal. Hauptsache, das Hauptthema, die Hauptfigur, der zentrale Gegenstand ist (eine) Musik.
UNERHÖRT! 2016 -  zum zehnten Mal
UNERHÖRT! 2016 – Die erste Null!
2007 geborene Menschen dürfen dieses Jahr ihren neunten Geburtstag feiern.
UNERHÖRT! fand 2007 zum ersten Mal statt und feiert 2016 seinen Zehnten – immer ein Jahr voraus!
Der Anlass schreit nach besonderen Aktionen!
Und wir haben da auch Einiges vorbereitet, eine hübsche Mischung von Bewährtem mit neuen Ideen.
Genaueres teilen wir Euch rechtzeitig mit, hier und andernorts.
Bis dahin bleibt es bei der wichtigsten Konstante:
Auch dieses Jahr erwarten wir wieder Eure Film-Einreichungen!
Es ist wie gehabt: UNERHÖRT! interessiert sich für alle Filme, die sich mit Musik auseinandersetzen. Formate, Filmlängen, musikalische Genres: egal. Hauptsache, das Hauptthema, die Hauptfigur, der zentrale Gegenstand ist (eine) Musik.
Details findet Ihr auf dieser Seite unter FILMEINREICHUNG.
Einsendeschluss ist der 30. Juni 2016.
Also immer her mit der frischen Ware!
UNERHÖRT! 2015 – Das Programm
"Alte Helden werden niemals alt!"
"Man sieht nur, was man weiß."
Den ersten Satz schrieb mir ein Freund auf eine hübsche Postkarte, als er mir vor einem knappen Jahr die neuere Alben von Thurston Moore und My Bloody Valentine vermachte.
Der zweite Satz prangte einst (2008? 2009?) auf einem UNERHÖRT!-T-Shirt.

Beide Sätze zusammen stehen über dem Programm der 9. UNERHÖRT!-Ausgabe, ohne dass wir das bei seiner Zusammenstellung genauso gewollt hätten.

Filme über Musik haben ja eh die Tendenz, sich mit bereits bekannteren Namen eine Grundaufmerksamkeit sichern zu wollen – nicht zuletzt bei denen, die diese Filme finanzieren sollen.
Man nehme eine zeitgemäße Portion Rückblicksnostalgie dazu: Fertig ist das Retro-Menü. Deuten wir das hässliche Wort mal um in Geschichtsbewusstsein, dann geht es um das ständige Überprüfen von Positionen: Sind diese Positionen noch gültig? Wie hat sich das entwickelt? Was hat sich daraus entwickelt? Entsteht daraus inspirierte Musik, frisches Denken? Oder werden einfach nur alte Gäule totgeritten?
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(Rahsaan Roland Kirk in THE CASE OF THE THREE SIDED DREAM)

Alsooo: Die Reihe der alten Helden ist in diesem Jahr bei UNERHÖRT! noch etwas länger geraten. Aus der Neuen Musik ist Dieter Schnebel dabei (ANDANTE CON MOTO), der ehemalige Can-Sänger Damo Suzuki ist dabei (NEVERENDING), beim Doppelprogramm SKA/REGGAE HISTORY LESSONS ist neben einigen damals jungen Musikern, die es nicht zu einer Bekanntheit außerhalb der Stadtgrenzen von Kingston geschafft haben, z.B. BIG YOUTH dabei (COME UN FIUME bzw. REGGAE MUSIC).
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(Oskar aus COME UN FIUME – THE SKA FACES)

Mit NO MEANS NO (WE PLAYED AT SQUATS) und THE MEKONS (REVENGE OF THE MEKONS) haben wir ausgesprochene Kritikerlieblinge aus der Punk-und-was-danach-geschah-Zeit mit an Bord, aus derselben Epoche und gesamtdeutschen Landen ORNAMENT & VERBRECHEN – DIE GEBRÜDER LIPPOK. Apropos Punk: In MUTTI – PUNK ROCK WAS MY FIRST LOVE werfen wir einen Blick hinter die Kulissen des Konzertveranstaltungsbetriebs, in seiner speziellen Ausprägung des Bookings von Punk-Konzerten in Deutschland.
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(Rob und Tom in WE PLAYED SQUATS)

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(aus REVENGE OF THE MEKONS)

Bei INDUSTRIAL SOUNDTRACK TO THE URBAN DECAY wird ein ganzes Genre kritisch gewürdigt, mit Wort- und Bildbeiträgen von allem, was Rang und Namen hatte in der britischen Industrial-Szene (GENESIS P-ORRIDGE, CABARET VOLTAIRE, CLOCK DVA uvm.)
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(Genesis P-Orridge in INDUSTRIAL SOUNDTRACK OF THE URBAN DECAY)

Und PULP – A FILM ABOUT LIFE, DEATH & SUPERMARKETS nimmt das finale Konzert der BritPop-Größen um Frontmann Jarvis Cocker zum Anlass für ein filmisches Poem über die Einwohner von Sheffield, anzusiedeln irgendwo zwischen Charles Dickens, Maggie Thatcher und globalisierter Gegenwart.
Wir freuen uns, endlich mal wieder neuere Filme über Jazz im Programm zu haben: zum einen THE CASE OF THE THREE SIDED DREAM, das preisgekrönte Porträt über den blinden Freejazz-Multi-Saxophonisten Roland Kirk, zum zweiten IN GROOVE WE TRUST über Joe Bowies DEFUNKT, die ab den frühen Achtzigern für eine ganze Weile die Coolness von Funk, von tanzbarem Jazz mitdefiniert haben.
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(Diedrich Diederichsen über DEFUNKT in der Sounds 01/1982;
Quelle: http://diedrich-diederichsen.de/publications.htm#verstreute-schriften)

Aber auch noch nicht ganz so erwachsene Musikrichtungen kommen zu ihrem Recht, gehört und gesehen zu werden: Techno, Elektro und Breakcore (NOTHING ESSENTIAL HAPPENS IN THE ABSENCE OF NOISE) gehören ebenso zum Stilrepertoire von UNERHÖRT! 2015 wie frische Blicke auf zeitgenössisch-hanseatisches Klubtreiben und musikalische Höhlenbewohner im spanischen Granada. Namen sind eben nicht das Maß aller Dinge; ein Ehrgeiz von UNERHÖRT! war schon immer herauszubekommen, wie Musik etwas von größeren Zusammenhängen vermittelt. Deshalb sind wir auch so gespannt auf DIE META-MORPHOSE über ein Band-Projekt von psychisch Erkrankten aus Frankfurt, sowie auf das Doppelprogramm NETZMUSIK (mit den Filmen DER VIERECKIGE HAI und THE STORY OF TECHNOVIKING), in dem es stark darum geht, wie das Internet und Musik sich aufeinander beziehen.
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(aus NOTHING ESSENTIAL HAPPENS IN THE ABSENCE OF NOISE)

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(aus DIE META-MORPHOSE)

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(DER VIERECKIGE HAI)

Zwei Kooperationen mit anderen Musik- und/oder Film-Aktivisten Hamburgs runden das Programm ab:
mit den dokART-Leuten im Metropolis-Kino und mit dem Kongress OPERATION TON (der unser Doppelprogramm EXTREME ELECTRONICS im Jolly Jumper/Haus 73 zeigt).

Zum Abschluss der Hinweis auf unsere zweite Eröffnung, d.h. die erste Veranstaltung im B-Movie:
Am Freitag, dem 13. (uaaah!), wird es eine Buchvorstellung geben mit anschließender Gesprächsrunde zum Thema POPULÄRE MUSIKKULTUREN IM FILM.

Drei Orte, 18 Filme von 23 bis 100 Minuten Länge, eine dreiköpfige Jury aus Hamburger Film-Buffs:
Es kann losgehen!
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(aus NOTHING ESSENTIAL HAPPENS IN THE ABSENCE OF NOISE)
UNERHÖRT! 2015 eröffnet heute Abend !
PULP –
A FILM ABOUT
LIFE, DEATH & SUPERMARKETS
heute, am Mittwoch, dem 11.11.2015, um 21:15 im METROPOLIS
Heute geht's los mit der 9. Ausgabe von UNERHÖRT!, in Zusammenarbeit mit dokART zeigen wir den Film PULP – A FILM ABOUT LIFE, DEATH & SUPERMARKETS im Metropolis-Kino.
Und wir freuen uns sehr, dass die bezaubernde CANDIDA DOYLE, langjährige Keyboarderin der Band, persönlich anwesend ist und nach der Vorführung mit uns und dem Publikum über den Film sprechen wird.
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(Foto: http://www.shetlandarts.org)
UNERHÖRT! 2015: Programm und Zeitplan
MITTWOCH 11.11.2015

21:15
PULP – A FILM ABOUT LIFE, DEATH, AND SUPERMARKETS
R: Florian Habicht, UK 2014, 90 min, engl. OF
METROPOLIS (in Kooperation mit dokART Hamburg)


FREITAG 13.11.2015

18.00
GESPRÄCH und BUCHVORSTELLUNG:
POPULÄRE MUSIKKULTUREN IM FILM
Kooperation mit dokART
B-MOVIE

19:00
THE CASE OF THE THREE SIDED DREAM
R: Adam Kahan, USA 2013, 88 min, engl. OF
B-MOVIE

20:45
Doppelprogramm EXTREME ELECTRONICS:

INDUSTRIAL SOUNDTRACK FOR THE URBAN DECAY
R: Amelie Ravelec, BEL/F 2015, 52 min, engl. OF
Jolly Jumper & Haus 73 (in Kooperation mit Operation Ton)

NOTHING ESSENTIAL HAPPENS IN THE ABSENCE OF NOISE
R: Silvia Biagioni, UK 2015, 23 min, engl. OF
Jolly Jumper & Haus 73 (in Kooperation mit Operation Ton)

21:00
ORNAMENT & VERBRECHEN – DIE GEBRÜDER LIPPOK
R: Claus Löser / Jakobine Motz, D 2015, 68 min, dt. OF
B-MOVIE

23:00
Doppelprogramm Netz-Musik:

DER VIERECKIGE HAI
R: Steffen Alberding / Kaspar van Treeck, D 2013, 29 min, dt. OF
B-MOVIE

THE STORY OF TECHNOVIKING
R: Matthias Fritsch, D 2015, 90 min, engl. OF + engl. UT
B-MOVIE


SAMSTAG 14.11.2015

15:00
Doppelprogramm Reggae History Lessons

COMO UN FIUME / LIKE A RIVER
R: Alessandro Melazzini, D/IT 2015, 34 min, OmenglUT
B-MOVIE

REGGAE MUSIC
R: Rolf Coulanges, D 1979, 40 min, engl.OF + engl.UT
B-MOVIE

17:00
DIE META-MORPHOSE – LEICHT VERSTIMMT IM RAMPENLICHT
R: Daniel Siebert, D 2014, 100 min, dt. OF
B-MOVIE

19:00
IN GROOVE WE TRUST
R: Robin von Erwen Dorens, NL 2014, 78 min, engl. OF
B-MOVIE

21:00
REVENGE OF THE MEKONS
R: Joe Angio, USA 2013, 95 min, engl. OF
B-MOVIE

23:00
Doppelprogramm Punk:

MUTTI – PUNKROCK WAS MY FIRST LOVE
R: Mathias Söhn, D 2015, 30 min, dt. OF

WE PLAYED AT SQUATS
R: Klaus Winkler, AT 2014, 52 min, engl. OF
B-MOVIE


SONNTAG 15.11.2015

15.00
ANDANTE CON MOTO – DIETER SCHNEBEL IM PORTRAIT
R: Susanne Elgeti, D 2015, 88 min, dt. OF
B-MOVIE

17:00
STERNBRÜCKE
R: Jonas Schaul, D 2015, 24 min. dt. OF

EL SONIDO DE LAS CUEVAS / SOUND OF THE CAVES
R: Claudia Münch, D 2014, 28 min, Omdt.UT
B-MOVIE

19.00
NEVERENDING
R: Francesco Di Lorento, IT 2015, 80 min, Omengl.UT
B-MOVIE

+ PREISVERLEIHUNG
9. UNERHÖRT!  11. - 15.11.2015
DAS PROGRAMM STEHT!
Tunnelblicke
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Rampensäue
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Gruppenbilder
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Text im Bild
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... hier bald mehr!
Sponsoren & Partner gesucht ...
Ohne Sponsoren wäre unser Festival nicht möglich. Deswegen nochmal ein riesiges Dankeschön an unsere Unterstützer aus dem letzten Jahr. Aber auch in diesem Jahr sind wir wieder auf die großzügige Unterstützung von Partnern und Sponsoren angewiesen.
Wir sagen es ganz offen und direkt: am liebsten hätten wir Sponsoren, Partner und Unterstützer, die Patenschaften für die Filme übernehmen wollen. Deswegen stellen wir in den nächsten Tagen und Wochen die bereits feststehenden Filme einzeln vor, und da eigentlich jeder Film einen Paten/eine Patin braucht, könnt ihr an (Javascript muss akziviert sein, um diese -MAil-Adresse zu sehen) schreiben, wenn Ihr einem der größten und renommiertesten Musikfilmfestivals in Deutschland mit den besten Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Welt, als Sponsor, Medien- oder Veranstaltungspartner oder als kulturliebende/r Mäzen/in helfen möchtet, das wie gewohnt hochwertige Kulturprogramm zu unterstützen und es damit auch zu eurem Programm zu machen.
UNERHÖRT! 2015 ... the journey goes on!
Das 9. Hamburger Musikfilmfestival UNERHÖRT!, vom 13. - 15. November 2015.
EINREICHFRISTEN: Ab sofort - und noch bis zum 1.7.2015 - können wieder Filme eingereicht werden.

Filme über Musik erfreuen sich weiterhin steigender Aufmerksamkeit. Nicht nur im Fernsehen und auf Festivals werden Musikfilme gezeigt, sondern vermehrt auch wieder dort, wo sie eigentlich hingehören: im Kino.
Diesen Prozess hat UNERHÖRT! in den letzten Jahren aktiv mit angestoßen, und 2015 wird unsere Veranstaltung wie gewohnt wieder den Blick auf die Vielfalt der Musik richten.
Wir interessieren uns dabei weiterhin für Musik in allen Erscheinungsformen und Lebenslagen, aber auch für die unterschiedlichen Macharten nicht nur der Musik, sondern auch der Filme selbst.
Von Schlager bis Punk, von Country bis Zwölfton, vom Kurz-Spielfilm zur Musikerbiografie, vom Fanszenen-Bericht zur experimentellen Tournee-Doku - UNERHÖRT! interessiert sich für alles, was spannend ist, was etwas Besonderes einfängt oder etwas auf besondere Weise zeigt.

Unsere Filme schauen darauf, wie Musik gemacht wird und wer sie macht und auch darauf, wer sie dann wie hört.
Unsere Filme feiern Musik nicht einfach bloß ab, sie fragen auch nach Zweck und Ziel und Wirkung.
Unsere Filme zeigen Musik als Spiegel für größere Zusammenhänge, als Schlüssel zur Welt.
Oder um mit Kraftwerk zu sprechen: "Es wird immer weiter gehen, Musik als Träger von Ideen."

Der Film, der in diesem Sinn die unabhängige UNERHÖRT!-Jury am meisten überzeugt, wird auch 2015 wieder etwas gewinnen.
UNERHÖRT! 2014 Programmübersicht
UNERHÖRT! geht 2014 in seine achte Ausgabe.

Am 2. November-Wochenende, vom 7.-9.11.,

im B-Movie, Brigittenstr. 5, 20359 Hamburg (http://www.b-movie.de)

gibt es insgesamt 14 Filme rund um das Thema Musik zu sehen.


Schwerpunkte dieses Jahr sind:

- Frauen vor und hinter der Kamera

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- Elektronische Musik in vielfältiger Form

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- Produktionsland Österreich

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- In Memoriam Harun Farocki

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Ausführlichere Informationen
zu einzelnen Filmen und Zeitplan
unter "Programm"

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Bilder:
Hind Meddeb, Regie ELECTRO CHAABI
ELEKTRO MOSKVA
FUCK THE ATLANTIC OCEAN
SINGLE
THE PUNK SINGER (Photo: Pam Smear)
Unser Programm 2014 steht endlich!
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Es wird wieder ein schönes, kompaktes Programm werden, diesmal mit den Schwerpunkten Elektro und Frauen vor/hinter der Kamera.
Details stehen ab 08.10.14 hier unter "Programm".
UNERHÖRT! 2014
Die Einreichungen haben uns überwältigt!
Es sind in diesem Jahr wieder sehr viele unterschiedliche und inspirierende Filme aller Genres und über die unterschiedlichsten Musikstile und Musiker/innen eingereicht worden.
DANKE dafür, liebe Filmemacher/innen!
Wir sind immer noch in der Sichtung, werden aber bis Anfang September Klarheit über unser diesjähriges Programm haben.
UNERHÖRT! goes Elbjazz!
UNERHÖRT! und Elbjazz kooperieren in diesem Jahr zum ersten Mal.
Im Rahmenprogramm zeigen wir im wunderschönen Hamburger Savoy-Lichtspieltheater zwei Filme, die Jazz als weltweites, generationenübergreifendes und menschenverbindendes Phänomen darstellen.
Am Samstag, 24. Mai, läuft als Matinée um 12.00 "As Time Goes By in Shanghai" von Uli Gaulle.

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Am Sonntag, 25. Mai, zeigen wir auch als Matinée um 12.00 Uhr "Michel Petrucciani - Leben gegen die Zeit" von Michael Radford

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Nähers Infos folgen in Kürze auf den Sozialkanälen.
Der Kartenvorverkauf ist hier möglich:
Savoy Filmtheater
Steindamm 54
20099 Hamburg
http://www.savoy-filmtheater.de
UNERHÖRT! 2014 - Es geht weiter ...
8. Hamburger Musikfilmfestival UNERHÖRT!, vom 6./7. - 9. November 2014.
Am ersten November-Wochenende 2014 wird es zum 8. Mal UNERHÖRT! & unterhaltsam weitergehen.
EINREICHFRISTEN: Ab sofort - und noch bis zum 1.7.2014 - können wieder Filme eingereicht werden.

Filme über Musik erfreuen sich weiterhin steigender Aufmerksamkeit. Nicht nur im Fernsehen und auf Festivals werden Musikfilme gezeigt, sondern verstärkt auch dort, wo sie eigentlich hingehören: in den Kinos.
Diesen Prozess hat UNERHÖRT! in den letzten Jahren aktiv mit angestoßen, und es ist unser Anspruch, auch in diesem Jahr wieder das stark zu machen, was unsere Veranstaltung von Anfang an ausgezeichnet hat: der Blick auf Vielfalt.
Wir interessieren uns weiterhin für Musik in allen Erscheinungsformen und Lebenslagen, für unterschiedlichste Macharten nicht nur der Musik, sondern auch der Filme selbst.
Von Schlager bis Punk, von Country bis Zwölfton, vom Kurz-Spielfilm zur Musikerbiografie, vom Fanszenen-Bericht zur experimentellen Tournee-Doku - UNERHÖRT! interessiert sich für alles, was spannend ist, was etwas Besonderes einfängt oder etwas auf besondere Weise zeigt.

Unsere Filme schauen darauf, wie Musik gemacht wird und wer sie macht und auch darauf, wer sie dann wie hört.
Unsere Filme feiern Musik nicht einfach bloß ab, sie fragen auch nach Zweck und Ziel und Wirkung.
Unsere Filme zeigen Musik als Spiegel für größere Zusammenhänge, als Schlüssel zur Welt.
Oder um mit Kraftwerk zu sprechen: "Es wird immer weiter gehen, Musik als Träger von Ideen."

Der Film, der in diesem Sinn die unabhängige UNERHÖRT!-Jury am meisten überzeugt, kann auch 2014 wieder etwas gewinnen.
Resümee UNERHÖRT! 2013
Unsere Bilanz
Es ist vollbracht:
Auch die 7. Ausgabe von UNERHÖRT! ging erfolgreich über die Bühne.
Die dreiköpfige Jury hat ihr Urteil gefällt und aus neun Wettbewerbsteilnehmern einen Sieger erkoren (mehr dazu hier: http://www.unerhoert-filmfest.de/index.php/site/festival/deutsch/).
Was uns UNERHÖRT!-Organisatoren besonders freut:
Bei ihrer Begründung gingen die lokalen Filmexperten Claudia Lemke (Medienvermittlerin), Joachim Rudolph (Komponist und Sounddesigner) und Sandra Trostel (Regisseurin und Film-Editorin) auf jeden einzelnen Film des Wettbewerbsprogramms ein.
Deutlicher hätten sie nicht demonstrieren können, wie genau sie hingeschaut haben und wie schwer ihnen die Wahl gefallen ist.

In drei Tagen wurden insgesamt 13 Filme aus sieben Ländern gezeigt. Neben fünf deutschen Produktionen ergab sich ein gewisser „Alpen“-Schwerpunkt, da zwei Filme aus der Schweiz und ein weiterer Film aus Österreich kamen.
Thematisch lag der Fokus dennoch eher auf Ost-Europa, mit insgesamt vier Filmen zu Themen dieser Groß-Region (Estland, Russland, Mazedonien und Kroatien).

Die Zuschauerzahlen waren dieses Jahr etwas niedriger als in der Vergangenheit, obwohl die Berichterstattung in den Ankündigungsmedien gut ausfiel (Szene, Die Welt, Abendblatt, Morgenpost, taz online, radiohamburg.de, kultur-hamburg.de, moviepilot.de u. diverse Internet-Blogs usw.). Aber wenn ein Brückenwochenende auf plötzlichen Sommerausbruch trifft, hat es jedes Kino schwer, erst recht nach diesem entsetzlich langen Winter ...

Die, die kamen, haben sich gut aufgehoben gefühlt, und das ist UNERHÖRT! immer noch am wichtigsten!
Neben dem Publikum (darunter Stammkunden wie Filmemacher Torsten „Stickel“ Stegmann, Regisseur und Ex-UNERHÖRT!-Juror Peter Sempel und Musiker, Regisseur und zweifacher UNERHÖRT!-Teilnehmer Uwe Bastiansen) gab es mehrere Festivalgäste:
Mike Redman aus Rotterdam (Regie SAMPLE: NOT FOR SALE) hatte Freitag Nacht um ein Uhr noch eine sehr lebhafte Moderationsrunde, klug geleitet von byte.fm-Redateurin Juliane Reil und in lupenreinem Szene-Englisch brilliant unterhalten von DJ Sebel; auch die Inputs von Soziologie-Diplomant und Sampling-Experte Georg Fischer (http://jaegerundsampler.wordpress.com/), der das Roundtable-Tableau (ohne runden Tisch) auf Vermittlung von byte.fm-Moderator Marcus Maack (Sendung „All Samples cleared?!“) komplettierte, waren immer aufschlussreich. Sowas ließ sich dann auch „Mixery Raw Deluxe“-Anchorman Falk Schacht nicht entgehen.
Jonas Künne von der Dortmunder Band BLACK RUST gab Samstag den Alleinunterhalter zwischen den Filmvorführungen und verwandelte das Kino-Foyer für jeweils drei Songs in einen Singer-/Songwriter-Andachtsraum.
Die Regisseure Viola Rusche und Hauke Harder freuten sich sehr über eine Vielzahl anregender Publikumsfragen nach der Vorführung ihres NO IDEAS BUT IN THINGS — THE COMPOSER ALVIN LUCIER.
Voll aufgegangen ist die Rechnung zum neuen Rohschnitt-Format WORK IN PROGRESS am Sonntag Nachmittag: Mit dem Pionier des deutschen Direct Cinema Klaus Wildenhahn (der auch jahrelang als NDR-Redakteur tätig war und immer wieder an Filmschulen doziert hat) sowie Prof. Gerd Roscher, jahrzehntelang für die Filmausbildung an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste verantwortlich, hatte UNERHÖRT! genau die Kompetenz an Bord, die es im Umgang mit nicht fertigen Filmprojekten braucht. Ihre sensiblen und präzisen Kommentare prägten den Ton für eine Publikumsdiskussion, aus der beide anwesenden Regisseure (Joachim Jung mit LA PERLA DEL MAR und Marietta Kesting mit MEDITATIONS ON THE DANCEFLOOR) nicht wenige Anregungen zur Weiterarbeit mit nach Hause nehmen konnten.
Herr Wildenhahn blieb dann gleich im Kiez-Kino B-Movie bis zur finalen Preisverleihung und bereicherte die Zeremonie mit einleitenden Worten zu seinen beiden aus diesem Anlass gezeigten Filmen über den afroamerikanischen Jazz-Organisten Jimmy Smith.
Startschuss UNERHÖRT! 2013
UNERHÖRT! geht 2013 in die 7. Runde!
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Am 1. Wochenende im Mai, zwischen Freitag, dem 3.5., und Sonntag, dem 5.5., gibt es wieder reichlich Gelegenheit, Musik auf der Leinwand zu erleben, und zwar in Hamburgs schönstem Kiez-Kino, dem B-Movie.

13 Filme aus sieben Produktionsländern spannen den für UNERHÖRT! typischen Bogen über alle möglichen Musikstile und filmischen Formen.

Am Freitag gibt es zweimal bewegende Geschichten und zweimal haufenweise Experten-Meinungen:
Der britische Beitrag MISSION TO LARS erzählt von einer sehr besonderen Reise eines Fans zu seinem Idol.
Der anschließende Film BUEBE GÖ'Z TANZ aus der Schweiz begleitet monatelang den kreativen Prozess eines einmaligen Crossover-Projekts zwischen Rock und Modernem Tanz.
Danach geht es in WELCOME TO THE MACHINE aus Österreich um die Bedingungen für Erfolg im Musik-Business.
Der Abend wird beschlossen mit den Guerilla-Interviews von SAMPLE: NOT FOR SALE - in diesem Film aus Holland stehen Größen des HipHop Rede und Antwort zur Frage nach dem Umgang mit digital geborgter Musik.

Am Samstag steht facettenreiches Osteuropa im Fokus:
Die Schweizer Produktion REGILAUL - LIEDER AUS DER LUFT widmet sich estländischer Gesangstradition und wie sie heutzutage gelebt wird.
Ausnahme im Ost-Schwerpunkt am Samstag bildet NO IDEAS BUT IN THINGS - THE COMPOSER ALVIN LUCIER, ein in Deutschland produziertes Porträt des US-amerikanischen Komponisten und Cage-Gegenspielers Lucier.
Auch KEIN VERTRAUEN, KEINE ANGST, UM NICHTS BITTEN ist in Deutschland hergestellt worden, doch geht es hier um die Geschichte russischer Gangsterlieder zwischen 1960er Sowjet-Zeiten und heutigen Tagen behaupteter Demokratie.
Mit einem Doppelpack zweier Ein-Stunden-Filme aus Ländern des ehemaligen Jugoslawiens geht der Samstag zu Ende:
IF NOBODY IS PLAYING beobachtet die abstinenten Post-Punk-Vegetarier von BERNAYS PROPAGANDA in ihrem an grotesken Begebenheiten nicht armen mazedonischen Alltag.
HOW WE ENTERED EUROPE - THE SexA CASE erzählt, was aus Sedativa ex Apoteka wurde. Die Band aus Zagreb/Kroation war in den 80er Jahren einer der beliebtesten Acts des jugoslawischen Post-Punk-Undergrounds, als es sie kurz vor Ausbruch des Balkankriegs 1991 nach Holland verschlägt.

Diese neun Filme nehmen auch am UNERHÖRT!-Wettbewerb um den besten Musikdokumentarfilm 2013 teil.

Der Sonntag gehört dann anderen Formaten:
Bereits am Nachmittag eröffnen wir mit WORK IN PROGRESS eine neue Reihe mit Rohschnitten von Musikfilm-Projekten, die noch nicht fertiggestellt sind und die bei UNERHÖRT! und unter Mitwirkung von Gästen aus dem Film- und Musikgeschäft öffentlich diskutiert werden sollen - interaktives Kino mit einer spanischen Diva zwischen Folklore und Jazz (La PERLA DEL MAR) und einer Techno-DJane (MEDITATIONS ON THE DANCEFLOOR)!
In THE RETURN OF UNERWARTETES SINGEN IN FILMEN findet die letztes Jahr erfolgreiche Veranstaltung mit zahlreichen, klug und humorvoll kommentierten Ausschnitten aus Spielfilmen ihre logische Fortsetzung.
Zur Vergabe des UNERHÖRT!-Preises verneigen wir uns einmal mehr vor dem in Hamburg lebenden Dokumentarfilmregisseur Klaus Wildenhahn und zeigen seine zwei Filme über den Jazz-Organisten Jimmy Smith aus dem Jahr 1965.

Ausführliche Informationen zu den einzelnen Filmen findet Ihr unter PROGRAMM !

Photo: Marley Marl (c) Ilja Meefout (SAMPLE: NOT FOR SALE, Fr, 3.5., 23:00)
UNERHÖRT! 2013 - Es geht weiter: 03. - 05. Mai 2013
Nächste Runde:
7. Hamburger Musikfilmfestival UNERHÖRT!,
vom 3. bis zum 5. Mai 2013 im b-movie
Am ersten Mai-Wochenende 2013 geht UNERHÖRT! zum siebten Mal seit 2007 an den Start. Wir freuen uns auf ein neues Programm voller Filme um das Thema Musik!

Ab sofort - und noch bis zum 15.3.2013 - können wieder Filme eingereicht werden (s. unser Anmeldeformular unter "Filmeinreichung").

Filme über Musik haben in den letzten Jahren eine deutliche Steigerung der Aufmerksamkeit erfahren. Sie sind nicht nur im Fernsehen und auf Filmfestivals zu sehen, sondern verstärkt auch dort, wo sie eigentlich hingehören: in den Kinos.
Diesen Prozess hat UNERHÖRT! aktiv mit angestoßen und es ist unser Anspruch, auch in diesem Jahr wieder das stark zu machen, was unsere Veranstaltung von Anfang an ausgezeichnet hat: der Blick auf Vielfalt.
Wir interessieren uns weiterhin für Musik in allen Erscheinungsformen und Lebenslagen, für unterschiedlichste Machart nicht nur der Musik, sondern auch der Filme selbst.
Von Schlager bis Punk, von Country bis Zwölfton, vom Kurz-Spielfilm zur Musikerbiografie, vom Fanszenen-Bericht zur experimentellen Tournee-Doku - UNERHÖRT! interessiert sich für alles, was spannend ist, was etwas Besonderes einfängt oder etwas auf besondere Weise zeigt.

Unsere Filme schauen darauf, wie Musik gemacht wird und wer sie macht und auch darauf, wer sie dann wie hört.
Unsere Filme feiern Musik nicht einfach bloß ab, sie fragen auch nach Zweck und Ziel und Wirkung.
Unsere Filme zeigen Musik als Spiegel für größere Zusammenhänge, als Schlüssel zur Welt.
Oder um mit Kraftwerk zu sprechen: "Es wird immer weiter gehen, Musik als Träger von Ideen."

Der Film, der in diesem Sinn die unabhängige UNERHÖRT!-Jury am meisten überzeugt, kann auch 2013 wieder etwas gewinnen. Wie in den Jahren zuvor stiftet UNERHÖRT!-Partner AKRA einen Preis für den besten Musikfilm.

Wir freuen uns auch auf die nächsten drei Tage Bild- und Klangrausch im schönen b-movie, dem mehrfach preisgekrönten Kiez-Kino auf St. Pauli!
Zuletzt hat das b-movie übrigens den Kinopreis 2012 des Deutschen Kinemathekenverbunds gewonnen, und zwar in der Kategorie "Kommunales und soziales Engagement des Kinos vor Ort"!
UNERHÖRT! gratuliert nachträglich.

Last but not least freuen wir uns auf das bunte, diskussionsfreudige und sehr treue UNERHÖRT!-Publikum!
Kommt wieder zahlreich! Und: Spread the news!
UNERHÖRT! Bester Musikfilm 2012
Das Lied der Dinge - Bester Musikfilm 2012
Die Jury von UNERHÖRT! 2012 möchte von den 11 Wettbewerbsbeiträgen (Aufnahmekriterium: Produktionsjahr 2010 oder später) drei Filme des diesjährigen Festivalprogramms besonders hervorheben. Jeder dieser drei Filme hätte den Hauptpreis verdient. Zweimal wird deshalb eine besondere Erwähnung ausgesprochen für Filme, die sich bereits einer großen öffentlichen Wertschätzuung auf internationalen Filmfestivals erfreuen.

1. lobende Erwähnung: LAGOS - NOTES OF A CITY
Der Film von Jens Wenkel beeindruckt durch seinen besonderen Blick. Hier gehen eigene Erfahrungen auf Regieseite eine äußerst fruchtbare Kooperation mit dem geübten Sehen durch den kinematographischen Apparat auf Kameraseite ein. Es zeigt sich, dass komplexe Realitäten durch profunde Kenntnisse der Verhältnisse vor Ort in Kombination mit klug und sensibel gehandhabten Kameraoperationen vermittelbar werden können.
Musik spielt in dem Film eine wichtige, doch keineswegs die zentrale Rolle. Sie ist stets gegenwärtig, ganz konkret, aber auch als Metapher für den Drive einer Stadt, der die Verhältnisse und deren Bilder auf zum Teil Atem beraubende Weise im Fluß hält.

2. lobende Erwähnung: THE BALLAD OF GENESIS AND LADY JAYE
Der Film von Marie Losier verbindet auf spielerische Art, einem Bewusstseinsstrom gleich, Liebe, Leben und künstlerische Ausdruckskraft miteinander. Auf kluge und liebevolle Weise arbeitet der Film mit On- und Off-Verschiebungen, mit Asynchronitäten und Cut-up-Techniken. Synchron wird der Film durch die sich verschmelzenden Körper von Genesis und Lady Jaye - ein Film, der auf poetische Weise den Horizont und Blick auf das Leben weitet.

Der UNERHÖRT!-Preis für den besten Musikfilm 2012 geht an denjenigen der drei Jury-Favoriten, der womöglich den größten Nutzen aus diesem Preis ziehen kann, nämlich an den Hochschul-Abschlussfilm
DAS LIED DER DINGE -
VIER KONZERTE UND EIN PIANO MIT HELMUT BIELER-WENDT
von Nils Menrad.

Die Begründung der Jury:
Der Film hat uns überzeugt, weil er nicht ein Film über jemanden oder etwas ist, sondern weil hier in der Zusammenarbeit von Filmteam und Komponist eine quasi kongeniale Reflexion entsteht. Zunächst profane Formen, Materialien und Architekturen werden auf ihr mediales Potenzial hin abgetastet. Den Rahmen bilden zwei etablierte Kunstorte, dazwischen Residuen einstiger industrieller Produktionsorte: ein Steinbruch und eine Nähwerkstatt (dass es sich dabei also bereits um den kulturellen Nachhall Europas handeln könnte, liegt nahe).
Die Jury prämiert mit DAS LIED DER DINGE den einzigen Film des diesjährigen UNERHÖRT!-Programms, bei dem sich das Filmische und das Musikalische durchdringen und gegenseitig hervorbringen.
UNERHÖRT! 2012
Die 5. Ausgabe des Hamburger UNERHÖRT! Musikfilmfestivals findet statt vom 11. - 13. Mai 2012 im B-Movie
Seit 2007 zeigt UNERHÖRT! in Hamburg Filme, die sich mit Musik beschäftigen. Vom 11. bis zum 13. Mai 2012, also am zweiten Mai-Wochenende diesen Jahres, geht UNERHÖRT! in die nächste Runde – und mit 15 Filmen um die Welt:
Der erste Tag steht im Zeichen von Black Music. Freejazz stößt auf HipHop - zwei Erfolgsgeschichten aus den USA -, danach folgt aktuelle digitale Musik aus Angola.
Der zweite Tag hat zwei Blöcke: Die ersten drei Filme zeigen, wohin die Reise so gehen kann, wenn man die Grenzen populärer Musik auszukundschaften aufgebrochen war. Industrial, Indie- und Post-Rock in the Western World, mit dazugehörigen Lebensentwürfen.
Der zweite Block führt dann nach Fernost, zu Begegnungen der anderen Art in China und Myanmar.
Der dritte Tag beginnt schon am frühen Nachmittag mit einer Reihe aktueller Filme zu Neuer Musik – drei Stunden über ausgewilderte Stimmen, offene Ateliers, Klangforscher und –werker in Deutschland und der Schweiz.
Wie sich Von-Musik-leben-Wollen anfühlt, wenn man es (noch) nicht kann, zeigt der vorletzte Film des Festivals.
Zum Ausklang die Rückkehr nach Afrika, ins Herz der nigerianischen Megacity Lagos, wo der Afrobeat den Pulsgeber macht in einem Alltag mit zahllosen Härten und verrückten Schönheiten.
Das UNERHÖRT! 2012-Programm besteht dieses Jahr komplett aus Dokumentarfilmen.
Nur ganz am Anfang gibt es eine sehr spezielle Ausnahme: Es freut uns, einen Vortrag mit reichlich Filmbeispielen über unvermitteltes Singen in Spielfilmen ankündigen zu können!

Ausführliches zu jedem einzelnen Film: s. "Programm"-Button!

UNERHÖRT! Beste Musikdoku 2011
Benda Bilili! ist die UNERHÖRT! Beste Musikdokumentation 2011
Der "UNERHÖRT! Beste Musikdokumentarfilm 2011" ist:

Benda Bilili!



Die Fachjury, bestehend aus Ale Dumbsky, Ruben Jonas Schnell und Holger True, begründete ihre Wahl wie folgt.

Der Film Benda Bilili! vom Regieteam Renaud Barret und Florent de La Tullaye folgt der Band „Staff Benda Bilili“ aus Kinshasa. Über einen Zeitraum von fünf Jahren begleiteten die Filmemacher die Musiker, deren Schicksal wie eine Ansammlung von Klischees klingt. Obdachlos und behindert in einem afrikanischen Land, das sich kaum vom Bürgerkrieg erholt.

Beeindruckt hat uns zunächst, dass es dem Filmteam gelungen ist, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Das Durchhaltevermögen, das ein solches Projekt verlangt, wurde letztlich mit dem Erfolg der Band in Europa belohnt, der dem Film einen schönen Höhepunkt beschert.

Handwerklich ist die Dokumentation sehr gut gemacht, sowohl was die Kameraführung, Fotografie als auch den Schnitt angeht. Was allerdings wirklich hervor sticht, ist die exzellente Dramaturgie. Als Zuschauer werden wir in den Bann der Charaktere und ihrer Geschichte gezogen. Sei es die Szene im abgebrannten Haus oder die zahlreichen Episoden des für die Protagonisten ganz normalen Straßenlebens. Schließlich waren wir gerührt vom großen Erfolg dieser Band in Europa. Barret und de La Tullaye haben es geschafft, eine ungewöhnliche Geschichte authentisch zu erzählen.

Hierfür vergeben wir die Auszeichnung "UNERHÖRT! Bester Musikdokumentarfilm 2011"


Taqwacore lobend erwähnt


Lobend erwähnen möchten wir außerdem den Film Taqwacore von Regisseur Omar Majeed. Ähnlich wie bei Benda Bilili! hat Majeed zur richtigen Zeit die Kamera in die Hand genommen und lässt uns dadurch an der Entstehung des Islampunks teilhaben. Im Film wird anschaulich gezeigt, wie sich eine neue musikalische Bewegung entwickelt. Das Publikum kann den Islam dabei ganz anders erleben, als er im täglichen, westeuropäischen Alltag wahr genommen wird.